09/11/2020
Was bedeutet Bidens Sieg für die Finanzmärkte?
Vor der Wahl wurde von einer „blauen Welle“ ausgegangen, also einem Sieg von Joe Biden und einem Kongress, der von Demokraten geführt wird. Zudem sicherten sich viele Markteilnehmer ab, da man befürchtete, dass gewisse Gruppierungen von Trump-Anhängern gewaltsam gegen den Wahlausgang vorgehen könnten und dies die Wirtschaft lähmen würde. Dies waren die zwei Hauptgründe für die fallenden Aktienkurse vor der Wahl.
Nach der Wahl:
- Man geht nun davon aus, dass Joe Biden am 14. Dezember 2020 vom Electoral College zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird und es Trump bis dahin nicht schaffen wird, die Wahl erfolgreich anzufechten.
- Zudem blieb die von den Märkten befürchtete „blauen Welle“ aus, da der Kongress gespalten bleibt. Die Republikaner werden also im Senat die Mehrheit beibehalten und die Demokraten werden weiterhin im Repräsentantenhaus die meisten Stimmrechte haben.
- Die Spaltung des Kongress hat zunächst drei Auswirkungen:
◘ Aller Voraussicht nach wird das angekündigte Konjunkturpaket kleiner ausfallen, da die Republikaner ihr Mitspracherecht behalten.
◘ Andererseits wird Biden wohl nicht seine geplanten Steuererhöhungen für Unternehmen (von 21 % auf 28 %) durchsetzen können, da auch hier die Zustimmung beider Parteien notwendig ist.
◘ Auch die Regulierung von Unternehmen wird voraussichtlich weniger deutlich ausfallen, wovon unter anderem Apple, Amazon, Facebook, Microsoft und Google profitieren dürften.
Die Märkte sehen die beiden letzteren Gründe sehr positiv. Zudem blieben glücklicherweise Trumps Anhänger weitgehend friedlich, was die Märkte ebenfalls beruhigte. So erreichten die Kurse wieder das Niveau von vor der US-Wahl.
Dass die Märkte heute so stark gewinnen (ESTX 50 +6,7 %, SPX +3,0 %, Stand 16:11 Uhr) liegt allerdings primär an der Meldung, dass Pfizer und das Mainzer Unternehmen BioNTech angaben, dass ihre COVID-19-Impfung eine Effektivität von 90 % hat.
Für die Zukunft erwarten wir zudem, dass die US-Dollar-Schwäche auch unter Biden Bestand haben wird. Zudem sieht die UBS Chancen für Schwellenländer-Assets, nicht nur weil die Außenpolitik unter Biden verlässlicher und stabiler werden wird. Gegenüber China wird Biden zwar ebenfalls die Konfrontation suchen, aber große Überraschungen über Nacht werden nicht erwartet. Das Handelsbilanzdefizit mit China wird nun wohl eine geringere Rolle spielen, weswegen der Zollstreit aller Voraussicht nach nicht verschärft werden wird. Der Fokus wird vielmehr nun auf der Technologieführerschaft liegen. Man geht zudem davon aus, dass Biden mit seinen verbündetet Staaten gemeinsam gegen China vorgehen wird. Der Fokus richtet sich dabei auf Handel, Technologie, Menschenrechte und Umwelt.
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