27/08/2026
Nachhaltig anlegen: Am Ende zählt, was Ihnen wichtig ist.
Nach fünf Beiträgen über Definitionen, Ansätze, Kennzeichnung und Renditefragen bleibt der entscheidende Punkt: Es gibt keine objektiv richtige nachhaltige Geldanlage. Es gibt nur eine, die zu Ihren Vorstellungen passt. Vier Fragen helfen dabei, diese Vorstellungen zu ordnen.
Die erste Frage lautet: Was möchten Sie auf keinen Fall finanzieren? Daraus ergeben sich Ihre Ausschlusskriterien. Für die eine sind das Rüstungsgüter, für die andere fossile Energien, Tierversuche oder Kinderarbeit in der Lieferkette. Diese Liste ist persönlich, und sie muss nicht mit der einer anderen übereinstimmen.
Die zweite Frage ist die wichtigste: Reicht Ihnen „schadet nicht" – oder möchten Sie „bewirkt etwas"? Ein Fonds, der Kohleunternehmen ausschließt, verhindert, dass Ihr Kapital dorthin fließt. Ein Mikrofinanzfonds finanziert unmittelbar Kleinstkredite, überwiegend an Frauen, die damit ein eigenes Einkommen aufbauen. Beides ist legitim. Es ist aber nicht dasselbe, und die Antwort darauf verändert die Auswahl erheblich.
Die dritte Frage betrifft die Abwägung: Wie viel Streuung geben Sie für Ihre Kriterien ab? Je enger die Vorgaben, desto kleiner der Anlagebereich. Diese Entscheidung kann Ihnen niemand abnehmen, aber man kann sie transparent machen.
Die vierte Frage ist praktischer Natur: Wie viel Aufwand möchten Sie selbst betreiben? Prüfen Sie Positionslisten und Nachhaltigkeitsberichte gern eigenständig, oder soll die Auswahl für Sie getroffen und regelmäßig überprüft werden?
Ein Hinweis, der vielen nicht bekannt ist: Seit 2022 muss in jeder Anlageberatung nach den Nachhaltigkeitspräferenzen der Kundin oder des Kunden gefragt werden. Das ist keine Höflichkeitsfrage, sondern eine regulatorische Vorgabe. Sie dürfen an dieser Stelle also sehr konkret werden – und Sie dürfen erwarten, dass Ihre Antwort in die Empfehlung einfließt.
Welche dieser vier Fragen fällt Ihnen am schwersten?