15/10/2026
🇩🇪 𝗖𝗛𝗜𝗡𝗔 𝗜𝗡𝗦𝗜𝗚𝗛𝗧 𝟮𝟬𝟮𝟲 | 𝗧𝗔𝗜𝗖𝗔𝗡𝗚 – 𝗞𝗢𝗠𝗠𝗧 𝗡𝗔𝗖𝗛 𝗗𝗘𝗥 𝗔𝗨𝗧𝗢𝗠𝗔𝗧𝗜𝗦𝗜𝗘𝗥𝗨𝗡𝗚 𝗗𝗘𝗥 𝗛𝗨𝗠𝗔𝗡𝗢𝗜𝗗𝗘 𝗥𝗢𝗕𝗢𝗧𝗘𝗥?
Mehr als 560 deutsche Unternehmen in einer chinesischen Stadt mit weniger als einer Million Einwohnern – Taicang nimmt in den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen eine besondere Stellung ein.
Seit Anfang der 1990er-Jahre haben sich hier vor allem deutsche Mittelständler angesiedelt. Daraus ist über drei Jahrzehnte ein eng vernetztes Industriecluster entstanden. Gleichzeitig verändert sich der Standort: Forschung und Entwicklung, Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Unser gestriges Programm zeigte uns diesen Wandel aus unterschiedlichen Perspektiven: beim Robotikunternehmen Jiangsu Yunmu Intelligent Manufacturing, bei KERN LIEBERS, der Inclusion Factory und im Gespräch mit Vertretern der Taicang High-Tech Zone.
🤖 𝗬𝘂𝗻𝗺𝘂: 𝗞𝗼𝗺𝗺𝘁 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗱𝗲𝗿 𝗔𝘂𝘁𝗼𝗺𝗮𝘁𝗶𝘀𝗶𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗲𝗿 𝗵𝘂𝗺𝗮𝗻𝗼𝗶𝗱𝗲 𝗥𝗼𝗯𝗼𝘁𝗲𝗿?
Mit Jiangsu Yunmu Intelligent Manufacturing besuchten wir ein junges chinesisches Unternehmen, das sich mit der Entwicklung humanoider Roboter beschäftigt.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte „Embodied Intelligence“: Künstliche Intelligenz erhält einen physischen Körper, kann ihre Umwelt wahrnehmen und darin handeln.
Die wirtschaftliche Idee dahinter ist faszinierend: Fabriken, Lagerhallen und Werkzeuge sind für Menschen gebaut. Humanoide Roboter könnten deshalb theoretisch in bestehenden Arbeitsumgebungen eingesetzt werden, ohne Z. B. Produktionsstätten vollständig für die Automatisierung umbauen zu müssen.
Unser Besuch bot allerdings weniger praktische Einblicke, als wir uns erhofft hatten. Eine Demonstration humanoider Roboter im Einsatz konnten wir nicht erleben. Damit blieb für uns die entscheidende Frage offen: Wie weit ist diese Technologie tatsächlich von einem zuverlässigen und wirtschaftlich rentablen Einsatz in der Industrie entfernt?
🇩🇪 𝗞𝗘𝗥𝗡 𝗟𝗜𝗘𝗕𝗘𝗥𝗦: 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗮𝗹𝘀 𝟯𝟬 𝗝𝗮𝗵𝗿𝗲 𝗱𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗲𝗿 𝗠𝗶𝘁𝘁𝗲𝗹𝘀𝘁𝗮𝗻𝗱 𝗶𝗻 𝗖𝗵𝗶𝗻𝗮
Nur wenige Kilometer weiter zeigt sich eine andere Seite der industriellen Entwicklung Taicangs.
KERN LIEBERS aus Schramberg gehört zu den deutschen Unternehmen, die früh nach Taicang kamen. Bereits 1993 eröffnete der Spezialist für hochpräzise Federn, Stanzteile und Baugruppen seinen ersten Standort in China.
Geschäftsführer Simon Veit erläuterte uns den Wandel von der klassischen zur modernen, zunehmend digitalisierten Industrie. Dazu gehören beispielsweise AI-gestützte, digitale Qualitätskontrollen und der Einsatz von Industrierobotern.
Besonders interessant war seine Einschätzung zur humanoiden Robotik: Für die eigene Produktion sieht KERN LIEBERS darin bislang noch keinen erkennbaren Mehrwert. Dennoch könnte gerade diese Technologie künftig ein interessantes Geschäftsfeld eröffnen – schließlich benötigen auch humanoide Roboter hochpräzise Federn und mechanische Komponenten.
Damit zeigt sich eine weitere Perspektive auf den Robotiktrend: Nicht nur die Hersteller der Roboter selbst, sondern auch spezialisierte industrielle Zulieferer könnten von dieser Entwicklung profitieren.
🤝 𝗜𝗻𝗰𝗹𝘂𝘀𝗶𝗼𝗻 𝗙𝗮𝗰𝘁𝗼𝗿𝘆: 𝗨𝗻𝗱 𝘄𝗲𝗹𝗰𝗵𝗲 𝗥𝗼𝗹𝗹𝗲 𝘀𝗽𝗶𝗲𝗹𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵?
Nach humanoider Robotik und moderner Industrieproduktion stellt die Inclusion Factory die Frage nach der Zukunft der Arbeit noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive.
Das deutsch-chinesische Sozialunternehmen fördert die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen und ermöglicht ihnen den Zugang zum regulären Arbeitsleben. Dabei handelt es sich nicht um Beschäftigungstherapie: Die Factory übernimmt reale Industrieaufträge und muss Qualitäts-, Termin- und wirtschaftliche Anforderungen erfüllen. Die Arbeitsprozesse werden dabei an individuelle Fähigkeiten angepasst.
Aus Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten waren während unseres Besuchs keine Aufnahmen der Arbeitsplätze möglich.
Der Kontrast zu unserem Robotikbesuch könnte kaum größer sein: Während bei Yunmu die Frage im Raum steht, welche Tätigkeiten künftig überhaupt noch von Menschen ausgeführt werden müssen, zeigt die Inclusion Factory, wie industrielle Arbeit so gestaltet werden kann, dass mehr Menschen daran teilhaben können.
📊 𝗪𝗮𝘀 𝗲𝗿𝘇ä𝗵𝗹𝘁 𝘂𝗻𝘀 𝗧𝗮𝗶𝗰𝗮𝗻𝗴 ü𝗯𝗲𝗿 𝗖𝗵𝗶𝗻𝗮𝘀 𝗶𝗻𝗱𝘂𝘀𝘁𝗿𝗶𝗲𝗹𝗹𝗲 𝗘𝗻𝘁𝘄𝗶𝗰𝗸𝗹𝘂𝗻𝗴?
Dass sich gerade hier deutscher Mittelstand und chinesische Hightech-Industrie begegnen, ist kein Zufall. Über Jahrzehnte hat Taicang gezielt Strukturen für deutsche Unternehmen aufgebaut – von spezialisierten Standortservices bis zur deutsch inspirierten dualen Berufsausbildung.
Zu den hier vertretenen deutschen Unternehmen gehören auch Schaeffler und Krones – zwei Unternehmen, die wir aus der eigenen Anlagepraxis kennen und die entweder schon einmal in den Portfolios unserer FIVV-Fonds vertreten waren beziehungsweise weiterhin vertreten sind.
Heute entwickelt sich Taicang vom klassischen Produktionsstandort zunehmend zu einem Innovationscluster für intelligente Fertigung, Robotik und Forschung. Die einfache Vorstellung „deutsche Technologie – chinesische Produktion“ greift damit längst zu kurz.
Für die FIVV-MIC-Mandat-Fonds ist deshalb nicht nur interessant, ob ein deutsches Unternehmen in China aktiv ist, sondern wie es sich dort positioniert – bei Innovation, lokalen Kunden und Lieferketten und gegenüber immer leistungsfähigeren chinesischen Wettbewerbern.
📍 𝗧𝗮𝗶𝗰𝗮𝗻𝗴 · 𝗝𝗶𝗮𝗻𝗴𝘀𝘂 · 𝗖𝗵𝗶𝗻𝗮
𝗛𝗶𝗻𝘄𝗲𝗶𝘀: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die dargestellten Informationen und Einschätzungen beruhen teilweise auf Angaben der besuchten Unternehmen, Institutionen und Gesprächspartner sowie auf öffentlich zugänglichen Informationen. Eine Gewähr für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wird nicht übernommen.