30/05/2023
Marktupdate
Weil die Einigung über eine höhere US-Schuldenobergrenze auf sich warten ließ, gaben internationale Aktien diese Woche etwas nach. Doch Ende der Woche sorgte ein plötzliches Interesse an KI-Titeln für kräftige Kursgewinne in den USA. Die US-Zehnjahresrendite stieg auf 3,81%, den höchsten Wert seit der Regionalbankenkrise Anfang März. Offensichtlich finden sich viele Anleger damit ab, dass die Fed noch länger an höheren Zinsen festhält. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate kostete unverändert 72,75 US-Dollar. Gemessen am CBOE Volatility Index (VIX) blieb auch die Volatilität mit 18,70 unverändert.
Der bevorzugte Inflationsindikator der Fed, der PCE-Preisindex, ist nach 4,6% z. Vj. im März im April um 4,7% gestiegen. Offensichtlich ist die Inflation hartnäckiger als von der Notenbank erhofft. Die Haushaltseinkommen stiegen im April um ordentliche 0,8%; die Haushaltsausgaben legten um 0,5% zu und damit stärker als erwartet. Offensichtlich ist die Wirtschaft noch immer recht stabil.
An den Märkten erwartet man für die nächsten beiden Offenmarktausschusssitzungen eine weitere Zinserhöhung und bis zum Jahresende maximal eine Senkung.
Im April ging die britische Inflation nur von 10,1% z. Vj. auf 8,7% zurück. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 8,2% gerechnet. Die Kerninflation erreichte mit 6,8% sogar einen neuen Höchststand. Nach Bekanntgabe der Zahlen rechneten Investoren mit Zinserhöhungen der Bank of England um weitere 50 Basispunkte, wenn nicht mehr.
In den USA sind die Verkäufe neuer Immobilien im April um 4,1% z. Vm. auf 683.000 p.a. gestiegen, so viel wie seit März 2022 nicht mehr. Der Median-Verkaufspreis fiel allerdings um 8,2% z. Vj. auf 420.000 US-Dollar. Die Verkäufe von Bestandsimmobilien fielen um 22,6% z. Vj. Das Angebot ist äußerst gering, da Hausbesitzer mit niedrigen Hypothekenzinsen zögern, ihre Häuser gegen größere einzutauschen. Dann müssten sie neue Kredite zu höheren Zinsen abschließen.
Im 1. Quartal ist die US-Wirtschaft um 1,3% (annualisiert) gewachsen, nachdem man das Wachstum zunächst nur auf 1,1% geschätzt hatte. Die Unternehmensgewinne seien seit ihrem Höchststand im 3. Quartal 2022 um fast 10% gefallen.
Analysten der Fed haben einen neuen Twitter Financial Sentiment Index eingeführt, der natürliche Sprachverarbeitung nutzt. Es handelt sich um einen Echtzeitindikator für die Notenbank. Sie hatte zuletzt immer wieder die große Bedeutung der Daten für die Geldpolitik betont, zugleich aber zugeben müssen, dass viele Zahlen veraltet seien. Laut Fed ist der Index eng mit anderen Stimmungsindikatoren wie den Unternehmensanleihenspreads und dem Konsumklimaindex der University of Michigan korreliert.
Euer,
Sait Bolca
Quelle: MFS