22/07/2015
Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 22.07.2015!!!
Riestern lohnt sich auch für Geringverdiener
PRIVATE ALTERSVORSORGE Forscher der Rentenversicherung widersprechen einer DIW-Studie
VON GÜNTHER M. WIEDEMANN
Köln.Riester-Verträge zur privaten Altersversorgung sind oft besser als ihr Ruf. "Für Geringverdiener und Kindererziehende lohnt sich »Riester«", sagt Christian Rieckhoff, Mitglied im Forscher-Team der Deutschen Rentenversicherung (DRV), die nicht im Verdacht steht, das Geschäft der privaten Versicherungen befördern zu wollen. Rieckhoff hat zusammen mit seinem Kollegen Maik Wels die Rendite-Erwartungen der nach dem früheren Sozialminister Walter Riester benannten ergänzenden Altersvorsorge berechnet. Ihre Analyse widerspricht einer kurz zuvor veröffentlichen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wonach "Riestern" sich vor allem für Besserverdienende lohne.
Die DIW-Autoren haben untersucht, welche Einkommensgruppen die staatliche Förderung privater Vorsorge in Anspruch nehmen; derzeit bezuschusst der Staat Riester-Verträge mit 2,8 Milliarden Euro. 40 Prozent dieser Summe erhalten die oberen 20 Prozent der Einkommensbezieher. Bei ihren Berechnungen und Schlussfolgerungen haben sie jedoch außer Acht gelassen, dass Auszahlungen privater Rentenverträge zu versteuern sind, weshalb Besserverdienende, die meist einen höheren Steuersatz haben, vom Fiskus stärker zur Kasse gebeten werden als Geringverdiener - also Fördergelder auch wieder zurückgeben müssen. Außerdem müssen sie höhere Summen als Geringverdiener einzahlen, um in den Genuss staatlicher Zuschüsse zu kommen.
Der durch die DIW-Studie entstandene Eindruck, die Riester-Rente nutze vor allem Wohlhabenden, sei daher nicht richtig, heißt es bei der Rentenversicherung. Deren Experten berücksichtigen in ihren Modell-Berechnungen die Steueraspekte in der Einzahlungs- und in der Auszahlungsphase.
Ein 20-jähriger Arbeitnehmer, der sein Leben lang das Durchschnittseinkommen der Renten-versicherten von 35 000 Euro jährlich verdient und in diesem Jahr einen Riester-Vertrag abschließt, kann bei einem Kind mit einer Rendite seiner Einzahlungen von 2,8 Prozent rechnen. Hat er drei Kinder, steigt die Rendite auf 3,4 Prozent. Verdient er hingegen nur die Hälfte des Einkommens, variiert die Rendite zwischen 2,6 Prozent (keine Kinder) und 5,3 Prozent (drei Kinder). Beträgt der Verdienst das Doppelte des Durchschnittseinkommens, liegen die Renditen zwischen 2,6 und 3,0 Prozent. Frauen erzielen aufgrund höherer Lebenserwartung eine um 0,3 Prozent höhere Rendite. In ihrer Studie haben die DRV-Experten die derzeitige Durchschnitts-Verzinsung der Lebensversicherungen von 3,25 Prozent unterstellt (inklusive Garantiezins).
Den Berechnungen haben die Wissenschaftler kostengünstige Anbieter zugrunde gelegt; sie gehen ferner von einer durchschnittlichen Lebenserwartung der heute 20-jährigen Männer von 88 Jahren aus, wie es in der Versicherungsmathematik üblich ist.
Rieckhoff und Wels kommen zu dem Schluss, dass es Geringverdienern nur schwer möglich sei, bessere Renditen auf dem Kapitalmarkt zu erzielen. Experten der Rentenversicherung betonen, die Studie zeige, dass die Riester-Rente ihre Aufgabe erfülle, die Lücke in der Altersversorgung zu verringern, die durch Kürzung des gesetzlichen Rentenniveaus entstehe.
Auf dem Kapitalmarkt ist es Geringverdienern nur schwer möglich, bessere Renditen zu erzielen