31/08/2026
Sieben Wochen Afrika. Sieben Wochen, die bleiben.
Ich weiß, dass es – und ich benutze dieses vielleicht etwas altmodisch klingende Wort ganz bewusst – wahrhaft eine Gnade ist, sieben Wochen lang meine Partner und Brüder in Uganda, Burkina Faso und Togo besuchen zu dürfen.
Sieben Wochen unterwegs als Leiter meines Projektvereins Weltsaat e.V.. Keine Versicherungsagentur, keine Kollegen, kein vertrauter deutscher Alltag. Nur die Spuren einer Vision: einer gerechteren, menschlicheren Welt.
Ich durfte in dieser Zeit Lebenswirklichkeiten erleben, Herausforderungen sehen und Alltag teilen. Nicht aus der Entfernung, nicht über Berichte, Fotos oder Videokonferenzen – sondern direkt vor Ort. Eine solche Gelegenheit bekommt man im Leben nicht oft. Dafür müssen viele Menschen, Umstände und Möglichkeiten im richtigen Moment zusammenkommen.
Ehrlich gesagt kann ich es selbst noch kaum glauben: Ich – der Hitze ungefähr so viel abgewinnen kann wie eine Tafel Schokolade auf dem Armaturenbrett. Ich – für den bisher alles südlich des Comer Sees irgendwie nach Kapstadt klang: sehr weit unten auf der Karte und eindeutig zu warm. Und genau dieser Mann war nun sieben Wochen lang an scheinbar unwägbaren, wunderschönen und eindrucksvollen Orten Afrikas unterwegs.
Ja, unsere kleine Hilfsorganisation hat innerhalb eines Jahres bereits erstaunlich viel bewegt. Und selbstverständlich gehört es dazu, sich Projekte persönlich zeigen zu lassen, Gespräche zu führen, Entwicklungen zu prüfen und Verantwortung zu übernehmen. Doch viel wichtiger war für mich etwas anderes: unmittelbar zu erleben, was möglich wird, wenn Vertrauen, Respekt, persönlicher Einsatz und ein starkes Team vor Ort zusammenkommen.
Mit engagierten Menschen aus den jeweiligen Ländern, mit selbst erarbeiteten Mitteln und mit dem festen Wunsch, Dinge jenseits überbordender Konventionen zum Besseren zu verändern.
Denn Nächstenliebe sollte mehr sein als eine theoretische Turnübung.
Und tatsächlich: Was in Deutschland funktioniert, kann auch in Afrika funktionieren. Begeisterung, Leidenschaft, Verlässlichkeit und gemeinsames Anpacken springen über Grenzen hinweg. Sie schaffen Vertrauen und öffnen Möglichkeiten, die vorher kaum denkbar schienen.
Schon wenige Tage nach meiner Ankunft machte im Zusammenhang mit der Weltsaat Association ein großes Wort die Runde: „friedliche Revolution“.
Die Menschen vor Ort spürten schnell, dass hier nicht jemand mit dem Scheckbuch winkt, um dem eigenen Gewissen einen kurzen Dopaminschub zu verschaffen. Und auch nicht, um alte postkoloniale Denkweisen in neuer Verpackung weiterzutragen. Sondern dass es um echte Partnerschaft geht: um Hilfe zur Selbsthilfe, um gegenseitigen Respekt und um gemeinsame Verantwortung.
Der Kampf gegen die drei großen Gegner – „Poverty, Ignorance and Sickness“ – wurde dabei immer wieder benannt. Fast so selbstverständlich wie ein Glaubensbekenntnis. Und genau darin liegt für mich der Kern: nicht Mitleid aus der Ferne, sondern konkrete Chancen schaffen. Bildung fördern. Einkommen ermöglichen. Gesundheit schützen. Strukturen aufbauen, die dauerhaft tragen.
Meine Reise war übrigens vollständig selbst finanziert. Sie war kein Höhepunkt und kein Abschluss – sondern ein Startschuss. Ein Startschuss für wirksame Selbsthilfe im Sinne des Weltsaat-Gedankens: Vertrauen, Respekt, Fleiß, Effektivität und Effizienz.
Das sind keine exotischen Ideale. Es sind Werte, mit denen Menschen überall auf der Welt erfolgreich arbeiten, wirtschaften und Gemeinschaft gestalten können.
Umso mehr freue ich mich, dass noch während meines Aufenthalts in Uganda mit der Gründung der Weltsaat Uganda Assoc. ein weiterer wichtiger Schritt gelungen ist. Ein Schritt in eine neue Ära praktischer Nächstenliebe, lokaler Verantwortung und gemeinsamer Entwicklung.
Neben der großen Freude über einige gelungene – zugegeben durchaus unkonventionelle – Projekte kehre ich morgen wieder an meinen Arbeitsplatz bei der SV Versicherung zurück.
Und was hat sich verändert?
Vielleicht auf den ersten Blick nicht viel. Ich werde weiterhin mein Bestes geben: mit Fleiß, Ausdauer, Anständigkeit und Freude. Aber ich weiß jetzt mehr denn je, wofür und für wen ich es tue.
Ich bin wieder hier. Und ein Teil von mir wird gleichzeitig immer dort sein .
Mehr Infos zu Weltsaat: https://www.facebook.com/weltsaat/