21/10/2025
Kein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Beschwerden bei Silikonimplantaten nach Brustkrebs
Donnerstag, 3. Juli 2025
Frauen, die sich im Rahmen ihrer Brustkrebsbehandlung für eine Rekonstruktion mit einem Silikonimplantat entscheiden, haben kein erhöhtes Risiko für Beschwerden, die mit dem sogenannten „Breast Implant Illness“ (BII) in Verbindung gebracht werden. Das zeigt eine große niederländische Studie mit über 6.000 Frauen, durchgeführt unter der Leitung des Antoni van Leeuwenhoek Instituts. Die Ergebnisse können Frauen mit Brustkrebs helfen, eine informierte Entscheidung darüber zu treffen, ob sie eine Brustrekonstruktion durchführen lassen wollen oder nicht.
In den Niederlanden haben schätzungsweise 200.000 Frauen zwischen 20 und 70 Jahren Brustimplantate. Etwa ein Viertel von ihnen erhielt diese im Rahmen einer Rekonstruktion nach einer Mastektomie wegen Brustkrebs oder aufgrund einer erblichen Veranlagung.
Ein Teil der Frauen mit Silikonimplantaten klagt auch Jahre nach dem Eingriff über Symptome wie Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen, Haarausfall, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Diese Beschwerden treten auch in der Allgemeinbevölkerung häufig auf, werden im Zusammenhang mit Implantaten jedoch oft als „Breast Implant Illness“ bezeichnet. Eine eindeutige medizinische Erklärung gibt es dafür bislang nicht.
Die im renommierten „Journal of the National Cancer Institute“ veröffentlichte Studie untersuchte, inwieweit solche Beschwerden bei Frauen auftreten, die im Zuge ihrer Brustkrebsbehandlung Silikonimplantate erhalten haben. Es wurden über 10.000 Frauen aus dem niederländischen Krebsregister ausgewählt, die zwischen 2000 und 2015 in einem der teilnehmenden Krankenhäuser wegen Brustkrebs behandelt worden waren. Darunter waren Frauen mit brusterhaltender Operation, mit Mastektomie ohne Rekonstruktion, mit Rekonstruktion durch körpereigenes Gewebe sowie mit Silikonimplantaten.
Überblick zur Studie:
Teilnehmerinnen: 6.091 Frauen
Durchschnittsalter: 58 Jahre
Durchführungszeitraum: 2021–2025
Behandlungszeitraum: 2000–2015
Implantate: Allergan und Eurosilicone (trotz Absetzung von Allergan in Zusammensetzung vergleichbar mit heutigen Modellen)
Untersuchte Beschwerden: Müdigkeit, Gelenkschmerzen, trockene Augen/Schleimhäute, Schlafprobleme, Morgensteifigkeit, Angst, Depressionen, Gedächtnisprobleme, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Hautausschläge, nächtliches Schwitzen, Haarausfall, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Schulterschmerzen
Krankenhäuser: Antoni van Leeuwenhoek, Erasmus MC, Maastricht UMC+, Zuyderland MC, Medisch Spectrum Twente, Ziekenhuisgroep Twente
Finanzierung: Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport / RIVM
Insgesamt füllten 6.091 Frauen einen detaillierten Fragebogen aus. Etwa 20 % von ihnen – unabhängig vom Implantatstatus – berichteten über vier oder mehr schwere Beschwerden. Auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Krebsstadium, Strahlen- und Chemotherapie zeigte sich kein erhöhtes Risiko bei Frauen mit Silikonimplantaten.
Jonathan Spoor, Arzt und Studienleiter:
„Viele Frauen, die eine Brustrekonstruktion wünschen, zögern aus Angst vor BII-Beschwerden. Unsere Studie zeigt jedoch, dass diese bei Frauen mit Silikonimplantaten nicht häufiger auftreten. Das ist eine wichtige und beruhigende Information.“
Dennoch betonen die Forscher, dass individuelle Beschwerden ernst genommen werden müssen – unabhängig davon, ob ein Implantat vorliegt. Mediziner sollten Symptome anerkennen, untersuchen und gegebenenfalls nach den Ursachen forschen.
Diese Ergebnisse fördern ein offenes und transparentes Gespräch über die Vor- und Nachteile von Brustimplantaten und helfen Frauen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Die Studie ist Teil eines umfassenden Forschungsprogramms zu Gesundheitsbeschwerden bei Frauen mit Silikonimplantaten, koordiniert durch das RIVM und finanziert vom Gesundheitsministerium.