23/08/2026
𝗣𝗲𝗿𝘀𝗼𝗻𝗮𝗹-𝗞𝗮𝗿𝘂𝘀𝘀𝗲𝗹𝗹, 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮: 𝗗𝗲𝗿 𝗪𝗮𝗵𝗻𝘀𝗶𝗻𝗻
Ich habe Euch versprochen, Euch ein wenig Einblick in unser „Personal-Karussell“ zu geben; Teil 1 habe ich bereits geliefert. Darin ging es um eine unglaubliche Häufung teils krasser Krankheitsfälle.
Hier in Teil 2 wenden wir uns nun dem Wahnsinn zu. 🤭
𝗩𝗼𝗿𝘄𝗲𝗴: Unser Kernteam steht seit Jahren ziemlich stabil. Britta ist seit weit über zehn Jahren dabei, auch Line, Yvonne, Marita und Theresa sind alte Hasen – und selbst Sarah hält es inzwischen seit über zwei Jahren mit uns aus.
Der Wahnsinn spielte sich vielmehr bei denen ab, mit denen ich dieses Kernteam entlasten und erweitern wollte.
Ich suchte neue Leute, bekam neue Leute. Dann ging es los. Manchmal war es einfach nur das Leben. Manchmal eine Fehlentscheidung. Manchmal eine grandiose Fehleinschätzung. 🫣
Gelegentlich saßen wir auch einfach nur noch da und fragten uns:
„𝗪𝗮𝘀 𝘇𝘂𝗺 𝗧𝗲𝘂𝗳𝗲𝗹 𝗴𝗲𝗵𝘁 𝗵𝗶𝗲𝗿 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗮𝗯?“ 🙄
Los geht´s:
Da war der Mitarbeiter, der gerade frisch angefangen hatte. Wir waren mitten in der Einarbeitung, als seine Freundin beschloss, in eine weit entfernte Stadt zu ziehen. Er beschloss daraufhin ebenfalls, in eine weit entfernte Stadt zu ziehen. In der Probezeit. Heute noch da, morgen weg. 💔
Eine andere Mitarbeiterin war ebenfalls gerade einmal wenige Wochen da, als plötzlich genau die berufliche Chance vor ihrer Nase auftauchte, auf die sie offenbar schon sehr lange gewartet hatte. In der Probezeit. Heute noch da, morgen weg. 👀
Dann kam die Mitarbeiterin, die Solidität versprach. Mitte 40, seit rund 20 Jahren liiert, gemeinsame Tochter, mitten im Leben stehend – toll! Wenige Wochen später sollte sie dies alles komplett über Bord werfen. 💔
Danach: Chaos. Und offenbar irgendwann auch ein völlig neues Verhältnis zum Thema Zuverlässigkeit. Beispiel gefällig? Gerne doch: Wir haben Urlaubszeit. Das Büro ist mager besetzt, da auch Sonja und ich ausfielen. Besagte Mitarbeiterin sollte sich um bestimmte Mail-Postfächer und insbesondere Schadenfälle kümmern. Plötzlich laufen Beschwerden auf. Seit Tagen werden Mails nicht beantwortet. Joa… sie war erkrankt. Seit drei Tagen. Sie lag auf der Couch. Seit drei Tagen. Sie hatte nur leider niemandem Bescheid gegeben. Bei 100 % Homeoffice, was wir ihr aufgrund des Chaos ermöglichten, fiel uns das vorerst natürlich nicht auf. Den betroffenen Kunden dagegen schon. 😬
Aber da war dann eine weitere Mitarbeiterin. Junge, was hörte sich das alles toll an! Sie hatte mal eine große Agentur geleitet. Mehrere Millionen Sachbestand – überwiegend schwereres Industriegeschäft. Fett! Die weiß, wo der Hase langläuft! 🎯
Wir wussten dagegen bald nicht mehr, mit welcher Stelle des Kopfes wir zuerst gegen die Wand hauen sollten. Auch hier: nahezu 100 % Homeoffice. Ich bin ja nett. Aber da hat man halt auch nicht sooo den Überblick. Dann tauchten Beschwerden auf. Fehlerhafte Abwicklungen simpelster Dinge. Am Anfang denkt man noch, dass sowas halt mal passieren kann. Schließlich ist sie ja eine Top-Fachkraft! Irgendwann wurde die Lücke zwischen Lebenslauf und gelebter Praxis allerdings … bemerkenswert groß.
Beispiel gefällig? Gerne doch: Ein Kunde hatte einen Sonderfall aus dem gewerblichen Bereich, Richtung Maschinenversicherung. Na, das müsste für genau diese Mitarbeiterin ein Klacks sein! War es aber nicht. Sie durmelte ewig lang an der Sache rum und bekam kein Ergebnis. Der besagte Kunde rief – kein Scherz! – bei einem der Versicherer an und hatte zwei Stunden später ein konkretes Angebot im Mailpostfach. 🫣
Wir trennten uns von ihr.
Eine weitere Mitarbeiterin sollte nur für die interne Verwaltung zuständig sein. Die Bewerbung las sich mega gut und auch im Gespräch wusste sie zu überzeugen. Gut, in der Vorgeschichte fanden sich eine Häufung von Arbeitgeberwechseln, aber alles konnte in sich schlüssig verklärt… äh… erklärt werden.
Dann fiel auch hier auf, dass simpelste Dinge zu einem seltsamen Chaos führten. Wir justierten nach, denn jeder weiß: aller Anfang ist schwer. Natürlich auch bei uns. Aber das Chaos blieb.
Dann Level 2: komische Rückmeldungen von Kunden. Der Grund dafür: besagte Mitarbeiterin, die – ich wiederhole mich – ausschließlich (!) für interne Verwaltung zuständig sein sollte, mischte sich eigenmächtig in Versicherungsfragen ein! 😳
Der absolute Oberknaller: ich berichtete in einem Beitrag über die BBB-Schäden. Sie sind ein Sonderfall innerhalb der Vollkaskoversicherung und für unsereins von gesteigerter Bedeutung. Mein Beitrag löste Rückfragen aus. Besagte Mitarbeiterin, die NULL (!) Ahnung von Versicherungen und erst recht NULLNULLNULL Ahnung von solchen Sonderfällen hatte, knüppelte die Kundenanfrage durch ChatGPT.
Ja, ChatGPT ist toll. Ich mag ChatGPT. Wo ChatGPT aber völlig abkackt: bei Versicherungsdingen. Einem kleinen Kind den Lolli abzunehmen, erfordert ja noch gewisse Skills, ChatGPT in Versicherungsdingen voll aufs Glatteis laufen lassen ist dagegen ein Fingerschnips.
So war auch das Ergebnis. Laut ChatGPT sind „BBB-Schäden“ nämlich „Bruch-, Brand- und Blitzschäden“. Diese geniale Antwort wurde via Copy & Paste in eine Mail geknüppelt, der Kundin zugesandt und dann… joa. Dann gab es verwirrte Rückfragen. Mir fiel daraufhin der Sack in Scheiben ab und ich versinke bis heute vor Scham im Boden. Intern lachen wir über diese Sache. Die andern zwar etwas mehr als ich, aber es sei ihnen gegönnt.
Diese Mitarbeiterin, so nett sie auch war, musste gehen. 🫣
Zum Abschluss noch zwei Lektionen aus der beliebten Reihe: 𝗗𝗶𝗻𝗴𝗲, 𝗱𝗶𝗲 𝗺𝗮𝗻 𝗮𝗹𝘀 𝗔𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗴𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗻𝘂𝗿 𝗲𝗶𝗻𝗺𝗮𝗹 𝗳𝗮𝗹𝘀𝗰𝗵 𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁: Überstundenregelungen und Überlassung von Equipment.
Ich korrigiere: Normal intelligente Arbeitgeber machen diese Fehler nur einmal. Ich dagegen, treudoof, naiv und lieb – also mittel-blöd - musste mir die blutige Nase mehrfach holen. 🙄
Fangen wir mal mit dem Thema Überstunden an:
Eine Mitarbeiterin war super zum Stellen der Uhr. Fiel die Tür ins Schloss, so wusste man: es ist Punkt 16:00 Uhr. Cool! Dennoch hatte sie, als es auseinandergehen sollte, plötzlich weit über 100 Überstunden. Entstanden waren die alle…. *trommelwirbel* … im Homeoffice. 🙄
Eine andere Mitarbeiterin, die ausschließlich im Homeoffice arbeitete, hatte bei Beendigung der Zusammenarbeit auch plötzlich etwas über 160 Überstunden. Obwohl sie ihr unter Zeugen untersagt waren. Als es zur Auseinandersetzung kam, unterschlug sie das ihr überlassene Equipment: Laptop, Bildschirme inkl. Halterung, Tastatur, Maus. 😡
Dummerweise hatte ich – ich erinnere: als treudoof-naiv-lieber Kerl – keine schriftliche Vereinbarung darüber getroffen. Das Ende vom Lied: als Arbeitgeber zahlt man hier mal eben die Hälfte aus. Die Alternative wäre: gerichtliche Auseinandersetzung, gleiches Ergebnis, zusätzliche Kosten. Dolle Wurst.
Als wir die Zusammenarbeit mit zwei freien Mitarbeiterinnen beenden mussten, kam es auch hier zu Diskussionen bezüglich meines Equipments, welches ich überlassen hatte.
Nur ein Beispiel: Die Zusammenarbeit endete aufgrund Krankheit. Kein böses Blut, kein Streit, alles super. Die Reißleine wurde gezogen, als ich mich im Urlaub befand. Wann auch sonst? Als ich am Telefon darum bat, das zur Verfügung gestellte Equipment bitte sofort in der Firma abzuliefern, kam ein: „Nö, da ist ja noch eine Rechnung offen. Die bezahlst Du zuerst, sonst behalte ich das Zeug!“
Da ich solche Spielchen mittlerweile satt hatte, kam hier ein ganz grober Keil auf den groben Klotz – zack, das Equipment war sofort da. ☠
Jetzt haltet Euch fest: Besonders hübsch daran: Diese Mitarbeiterin hatte mir einmal kurz vor Mitternacht eine vierstellige Rechnung geschickt. Zufällig saß ich noch an der Buchhaltung. Keine zehn Minuten später war das Geld auf ihrem Konto. Zahlungsrückstände hatte es auch sonst nie gegeben. Und dann sowas…
𝗙𝗿𝘂𝘀𝘁?
Irgendwann hatten wir jedenfalls genügend Erfahrungen gesammelt. Die Aussage „Verstärkung fürs Team“ sorgte irgendwann für Zuckungen. Irgendwann dämmerte mir: Vielleicht liegt das Problem gar nicht darin, dass ich noch nicht die richtigen Leute gefunden habe. Vielleicht gehe ich die ganze Sache einfach falsch herum an!
𝗡ö, 𝗲𝗵𝗲𝗿 𝗔𝘂𝘀𝗯𝗹𝗶𝗰𝗸!
Mit dieser Überlegung lag ich – wie ich inzwischen merke – richtig und ab hier wird die Geschichte gut. Ich habe zwischenzeitlich den Spieß umgedreht und habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass endlich mal ich entlastet werde. Darauf basierend treibe ich nun Projekte voran, die viel zu lange stiefmütterlich behandelt wurden, u. a. auch das Thema KI.
𝗞𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦𝗼𝗿𝗴𝗲: es wird bei uns keine KI geben, die irgendwas ersetzen wird. Sie soll lediglich das Vorhandene beschleunigen, den Service verbessern und Euch schnellere Rückmeldungen ermöglichen. 😊
Soll ich mal ein wenig spoilern? 😁
- 𝗪𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝗲 𝗗𝗲𝗰𝗸𝘂𝗻𝗴𝘀𝗸𝗼𝗻𝘇𝗲𝗽𝘁𝗲 wollen vorangetrieben werden (ich habe mal wieder komplette Marktneuheiten im Gepäck!).
- Wir bereiten die Einführung von 𝗦𝗲𝗿𝘃𝗶𝗰𝗲𝗽𝗮𝗸𝗲𝘁𝗲𝗻 vor (stellenweise wird es pink!).
- 𝗗𝗮𝘀 𝗩𝗼𝗹𝗹𝗺𝗮𝗻𝗱𝗮𝘁 𝘀𝗼𝗹𝗹 𝗶𝗻 𝗧𝗲𝗶𝗹𝗯𝗲𝗿𝗲𝗶𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗮𝘂𝗳𝗴𝗲𝘄𝗲𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻 – Testballons dazu wurden schon erfolgreich gestartet.
…
So gesehen hatte dieses ganze Personalkarussell am Ende sogar etwas Gutes: Es hat mich gezwungen, ein paar Dinge komplett neu zu denken. Genau davon profitieren jetzt hoffentlich alle: mein Team und ihr als unsere Kunden.
Mein Fazit: Das Personalkarussell darf von mir aus trotzdem künftig geschlossen bleiben. Wir drehen jetzt lieber an anderen Rädern. 😊
𝗙𝗼𝘁𝗼: Mag Fluktuation auch nicht: Rose mag auch lieber eine klare Linie. Ist bei einem offenen Feld auch sinnvoll.