28/09/2015
Zuckerbrot und Peitsche
Zugegeben: Wir freuen uns alle über ein gewisses Lob, wenn wir etwas richtig oder besonders gut gemacht haben. Ja, wir freuen uns auch, wenn wir Jahr für Jahr in eine immer günstigere Schadenfreiheitsklasse eingestuft werden. Wenn obendrein eine Belohnung für ein bestimmtes Verhalten winkt, sind viele Menschen bereit, mehr von sich zu offenbaren, als sie es im Normalfall täten.
Nun hat bereits ein Versicherer im Rahmen der Kfz-Versicherung eine sogenannte Blackbox eingeführt, die seine Kunden an ihre Autoelektronik anschließen lassen können. Damit hat der Versicherer Zugriff auf sämtliche Daten, die eine Autofahrt so erzeugt: Beschleunigungen, Bremsen, Geschwindigkeit, Weg usw. usf. – alles wird überprüfbar. Wer sich so ein Gerät einbauen lässt, muss zunächst auch noch selbst dafür zahlen und kann dann einen zusätzlichen Rabatt von etwa 5 % bekommen.
Aber nicht nur im Auto dürfen wir uns künftig überwachen lassen, nein, unser gesamtes Leben können wir der Betrachtung und Kontrolle von Versicherern aussetzen. Besonders Krankenversicherer sind daran interessiert, dass ihre Kunden gesundheitsbewusst leben. Dafür gibt es bisher auch schon Belohnungssysteme, allerdings solche, die durch einen einfachen Teilnahmenachweis zum Beispiel an einem Fitnessprogramm aktiviert werden.
Dank Smartphone und Apps sind wir jedoch schon einige Schritte weiter: Jetzt kann, wer will, seinen Fitnesszustand gleich rund um die Uhr an die Überwacher weiterleiten. Die freuen sich; die Datenflut lässt sich heutzutage locker bewältigen und könnte schließlich dazu führen, dass Beiträge sehr individuell kalkuliert werden.
Ist das alles nun eher gut oder eher schlecht? Bedeutet es eine Gefahr für unsere Freiheit, nützt es unserer Gesundheit tatsächlich oder dient es lediglich einer profitableren Geschäftspolitik der Versicherer? Von allem ist sicher ein bisschen dabei:
Über seinen Gesundheitszustand Bescheid zu wissen und wegen seiner bewusst gesunden Lebensweise auch etwas einsparen zu können hat zweifelsfrei etwas Gutes. Es werden aber auch begangene »Sünden« registriert, und man kann sicher sein, dass das Folgen hat – nur welche, lässt sich noch nicht sagen. Bleibt zu hoffen, dass Versicherte, die selbst auf ihr Risiko achten, zukünftig auch mit verringerten Beiträgen belohnt werden. Wie stehen Sie dazu?
Diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns Ihre Meinung.
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