19/01/2022
Wer hat schon Lust darauf, sich mit der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) auseinanderzusetzen…?
Und trotzdem ist es wichtig, dass du zumindest ein paar Fakten zur GRV kennst, um zu wissen, was du später mal erwarten kannst – und was nicht…
Du wusstest vermutlich nicht, dass die Ausgaben der GRV im Jahr 2021 bei gigantischen 359,7 Mrd. €. lagen. Davon wurden ca. 322,5 Mrd. € an ca. 21,6 Millionen Rentner ausgezahlt. Du solltest auch wissen, dass nur 239,6 Mrd. € eingenommen wurden. Grund: Zu viele Rentner, zu wenige berufstätige Beitragszahler. Die Differenz wird über Steuerzuschüsse „aufgefüllt“. Erwartete Höhe der Steuerzuschüsse in 2022: 116,6 Mrd. € (Quelle: )
Aber was „leistet“ die GRV dafür?
Die Ø-Bruttorente lag in 2019 bei 1.570€ / 1.173€ (m/w). Laut Koalitionsvertrag der "Ampel" soll das Rentenniveau dauerhaft bei 48% liegen. Achtung: heißt leider nicht, von DEINEM letzten Netto (Erläuterung hier: https://bit.ly/3FC7ws).
Erkenntnis 1: Die GRV kann nur Grundbedürfnisse decken und ist nicht dafür da, den Lebensstandard zu halten. Wie hoch deine eigene ist und wie viel du sparen müsstest, um diese zu schließen.
Wenn man sich die Rentenanpassungen über die letzten Jahrzehnte ansieht, muss positiv festgehalten werden, dass die staatlichen Renten stärker gestiegen sind als die Inflation. Rentner profitieren von vielen gesetzlichen Anpassungen, die in den letzten Jahrzehnten die Renten haben steigen lassen.
Erkenntnis 2: Bisher hat die GRV auf niedrigem Niveau gut funktioniert, die Kaufkraft der Rentner ist über die letzten Jahrzehnte sogar gestiegen. Aber wir steuern auf eine neue Zeit zu, in der mit deutlich höherer zu rechen ist (November 2021: 5,2 %).
Die Rentenreformen haben für steigende Kaufkraft bei Rentnern geführt, was angesichts von über 20 Millionen Wählern durchaus politisches Kalkül hatte. Denn die Reformen sind nie wirklich finanzierbar gewesen. Aber die Wählergruppe der Rentner ist mittlerweile wahlentscheidend und erhielt immer neue, nicht finanzierbare Steuergeschenke.
Erkenntnis 3: Der Steuerzuschuss für die GRV ist in etwa so hoch wie das Budget für Bildung und Forschung, Verkehr, Gesundheit und Verteidigung zusammen (!). Wichtige Investitionen in die Zukunft ( , , , etc.) werden gebremst, weil ca. 1/3 der gesamten Steuereinnahmen zur Stützung der Renten verwendet werden müssen.
An eine dringend notwendige Reform der GRV hat sich in den letzten Jahren keine , egal welcher Farbe, getraut (siehe dazu auch unsere Studie mit dem DIA).
Und auch die aktuelle Idee der „Aktienrente“ der Ampel ist in der jetzigen Form nicht mehr als „Renten-Marketing“.
Die Steuerzuschüsse zur GRV sind aber nicht nur zukunftsgefährdend, sondern auch zutiefst unsozial. Warum das so ist erklären wir in unserem nächsten Beitrag.