28/10/2015
28.10. | 2015
Der Weltspartag muss zum Wertpapierspartag werden
FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch über die Frage, warum es auch bei Nullzinsen sinnvoll ist, ans Sparen zu denken.
Jahr für Jahr findet Ende Oktober der Weltspartag statt. Eigentlich ein schönes Ritual: Kinder leeren ihr Sparschwein, zahlen das Geld aufs Sparbuch ein und bekommen dafür Zinsen und ein kleines Geschenk ihrer Bank. Die Geschenke gibt es noch, nur die Zinsen sind zwischenzeitlich abhanden gekommen.
Damit wird es immer schwerer, Kindern beizubringen, dass sich Sparen lohnt – obwohl es gerade wegen der mickrigen Zinsen nötiger denn je ist, Geld zur Seite zu legen. Egal, ob es das neue Smartphone mit 14, das Auto mit 18 oder eine auskömmliche Rente mit 67 ist: Wer ein Sparziel erreichen will, muss bei null Prozent Zinsen bedeutend mehr sparen als bei vier Prozent. Dieser Zusammenhang wird den meisten zwar bewusst sein, doch die wenigsten reagieren auch entsprechend. Sie sparen eher weniger als mehr, was vielen Politikern und Notenbankern wohl auch recht ist. Sie ermuntern die Bürger geradezu zum schnellen Konsum, auf dass die Konjunktur in Schwung kommt, getreu dem Motto: Die Menschen sind für die Wirtschaft da, nicht umgekehrt.
Nötig sind keine künstlich hohen Kupons, sondern ehrliche Ansagen
Schon deshalb ist es nach wie vor richtig, dass zumindest einmal im Jahr an die Notwendigkeit des privaten Sparens erinnert wird. Allerdings begehen viele Banken und Sparkassen dabei einen großen Fehler: Sie stellen Produkte ins Schaufenster, die trotz der Leitzinsen von 0,05 Prozent einen attraktiven Kupon suggerieren. Das führt zu teilweise seltsam anmutenden Konstruktionen. Die Sparkassen zum Beispiel bieten ihren Kunden derzeit ein Zertifikat mit einem Jahr Laufzeit an, das 2,7 Prozent Zinsen verspricht – aber nur, solange ein bestimmter Dividendenfonds nicht mehr als zehn Prozent verliert. Sollte der Fonds doch mehr an Wert einbüßen, haben die Zeichner eins zu eins am Minus teil. Kurz: Der mögliche Gewinn ist auf 2,7 Prozent begrenzt, der mögliche Verlust jedoch nicht.
Solche Produkte helfen dem Sparer nicht aus seinem Zinsdilemma, sie bergen vielmehr das Risiko, ihn einmal mehr herb zu enttäuschen. Besser wäre die ehrliche Ansage: Kurzfristig gibt es keine Zinsen mehr, und wer langfristig investieren möchte, muss die Volatilität in Kauf nehmen, die ein Fondsinvestment birgt. Der Weltspartag muss zum Wertpapierspartag werden.