31/07/2023
"Sie sind nominiert, als Arbeitgeber der Zukunft"
So steht es in einer Mail, die unverhofft im Posteingang gelandet ist.
Ich? Wow. Da hat wohl jemand gemerkt, dass wir seit Jahren ausbilden. Mit großem Erfolg.
Im vergangenen Jahr sogar die Jahrgangsbeste in ihrem Fachbereich bei der gesamten IHK Stuttgart.
Also lese ich mal weiter.
Ich muss nur noch einen Fragebogen beantworten um den finalen Test zu bestehen. Man will, so schreibt man mir: "... sicher stellen, dass nur sehr qualifizierte Unternehmen das Sigel erhalten."
Das soll dann, wenn ich alles bestehe, von niemand Geringerem als Frau Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a. D. ausgehändigt werden.
Ich bin angemessen beeindruckt. Und ich mache natürlich den Test indem ich alle Fragen beantworte.
Ein paar Tage später - das Wunder ist wahr geworden.
Ein netter Mensch schreibt mir: (Zitat)
"Lieber Herr Rumpp,
herzlichen Glückwunsch – Ihre Firma ist „Arbeitgeber der Zukunft!“. Sie haben sich qualifiziert, diese besondere Auszeichnung zu führen.
Schirmherrin der Initiative ist unsere Herausgeberin, Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a. D. Gemeinsam mit ihr ist es uns ein Anliegen, den Mittelstand in Deutschland zu unterstützen. Mit dem Siegel „Arbeitgeber der Zukunft“ möchten wir Ihnen helfen, im Wettbewerb, um wertvolle Arbeitskräfte positiv auf sich aufmerksam zu machen.
Sie haben unseren aufwendigen Analyse-Prozess erfolgreich durchlaufen. Final haben uns Ihre ergänzenden Antworten im DIND-Online-Fragebogen überzeugt. Für Deutschlands größtes Business Magazin DUP UNTERNEHMER und das Deutsche Innovationsinstitut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung DIND gehören Sie zu den Aushängeschildern des deutschen Mittelstandes.
... (Zitatende)
Es geht noch weiter, aber besser wirds nicht.
Je nach Anzahl der Mitarbeiter in meinem Unternehmen soll ich nämlich jetzt € 2.900 für ein Jahr überweisen, um das Sigel werblich nutzen zu können.
Aha. Das also ist des Pudels Kern.
Wenn man darauf nicht sofort anspringt, beginnt die Maschinerie erst richtig zu laufen:
Zitat:
"Lieber Herr Rumpp,
hatten Sie bereits die Gelegenheit meine Email zu lesen?
Eine freudige Erinnerung über die Auszeichnung versende ich hiermit gern.
Herzlichen Glückwunsch – Ihre Firma ist „Arbeitgeber der Zukunft!“. Sie haben sich qualifiziert, diese besondere Auszeichnung zu führen.
Schirmherrin der Initiative ist unsere Herausgeberin, Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a. D. Gemeinsam mit ihr ist es uns ein Anliegen, den Mittelstand in Deutschland zu unterstützen. Mit dem Siegel „Arbeitgeber der Zukunft“ möchten wir Ihnen helfen, im Wettbewerb, um wertvolle Arbeitskräfte positiv auf sich aufmerksam zu machen....
und wenige Tage später:
"Lieber Herr Rumpp,
möglicherweise ist meine letzte Mail nicht angekommen oder im Spam gelandet. Daher mein letzter Versuch, Sie über die Auszeichnung Ihrer Firma als Arbeitgeber der Zukunft zu informieren. Nochmal herzlichen Glückwunsch! ...."
Zitatende.
Und wenn man einmal in der Datenbank ist, wiederholt sich das unwürdige Spiel. Man schreibt einfach die aller erste Mail nochmal und tut so, als sei nie etwas davor gewesen. Vielleicht merkt der grenzdebile Geschäftsführer garnicht, dass er das schon einmal auf dem Tisch hatte.
Ganz besonders erstaunlich allerdings finde ich, wer alles mit diesem Sigel offensiv in die Werbung geht, es also gekauft hat um es zu benutzen.
Ich mag Wettbewerb. Ich mag Herausforderungen, Ich liebe meine Beruf und ich liebe es, Dinge richtig und gut zu machen. Ja und ich freu mich, wenn das Dritte bemerken und gut finden.
Um so mehr stößt es mich ab, wenn man so plump darauf setzt, dass alles was halbwegs nach einem offiziellen Zertifikat aussieht und von einem Promi in die Hand gedrückt wird, potentielle Kunden vor Ehrfurcht erstarren lässt. Aber es passt in eine Zeit, in der man sportliche Wettberwerbe verbieten will, um nicht die Gefühle der nachrangig Platzierten zu verletzen.
Wir schauen, in Ihrem Interesse, genau hin, was Versicherer versprechen und was sie halten. Schauen Sie genau hin, wer Sie berät und warum er glaubt, das zu können.
Darüber spreche ich unter anderem auch im Unternehmerpodcast Risikoaffin mit Achim Barth:
https://open.spotify.com/episode/31dtgtKOMPTTJzKdFjB5lv?si=3adf0f7160e44abe