11/11/2022
Großes Theater, Schmierenkomödie, Trauerspiel, Drama… viel fällt einem ein, die Entwicklungen rund um die Krypto-Börse „FTX“ zu beschreiben (wir berichteten). Sich auf eine Lesart zu einigen, wird schwierig. Was jedoch heute klar zu sein scheint: Der Vorhang fällt.
FTX hat ein Insolvenzverfahren eröffnet. Das wird die üblichen, direkten Konsequenzen für private Anleger haben, die Ihre Coins auf der Exchange gelagert hatten. Es wird darüber hinaus aber Wellen schlagen, die weitere Unternehmen in Schieflage bringen könnten. Viele institutionelle Anleger, auch Unternehmen, hatten in den letzten Tagen versucht, ihr Kapital von FTX abzuziehen, erfolglos. Darunter auch wiederum Kundengelder, die über Zwischenhändler bei FTX gelagert wurden.
Vor drei Tagen hat der deutsche Finanzminister Christian Lindner einen „digitalen Euro“ ins Spiel gebracht. Gestern, am 10.11., hat das Weiße Haus über eine Sprecherin – anlässlich des FTX-Debakels – verlauten lassen, dass Regulierung des Crypto-Marktes ein Muss sei. Die US-Regierung plant seit längerem die Einführung eines digitalen Dollars.
Im Netz kursieren daher seit längerem Theorien, dass zur Einführung dieser staatlich kontrollierten, zentralisierten digitalen Währung zuerst die dezentralisierten, existierenden Kryptowährungen zerstört werden müssen, mindestens das Vertrauen in diese. Denn ohne Not käme niemand auf die Idee, ins Regierungslager zu wechseln.
Alles an staatlich verfassten digitalen Währungen widerspricht zentralen Ideen der Kryptowährungen: Dezentralität, Deflation bzw. Inflationsresistenz, Kontrolle…
Ein digitaler Euro, dessen maximaler Bestand nicht definiert und der nicht gedeckelt ist, wird Werte vernichten, gleichzeitig aber auch Freiheit und Privatsphäre bedrohen. Hinter dem digitalen Euro werden dieselben Leute stehen, die den analogen Euro in den letzten 10 Jahren abgewirtschaftet haben. Während der Euro in den letzten 10 Jahren auch OHNE Berücksichtigung der Inflation kontinuierlich an Wert verloren hat, hat Bitcoin seinen Wert im selben Zeitraum um das 3.234-fache bzw. 3.836-fache gesteigert – und da ist der jüngste „Crash“ vergangener Tage berücksichtigt.
In absoluten Zahlen (Wert in USD):
Euro (Höchststand) 2012: $1,35 – Euro (Höchststand) 2022: $1,15
Euro (Tiefststand) 2012: $1,21 – Euro (Tiefststand) 2022: $0,96
BTC (Höchststand) 2012: $12,56 – BTC (Höchststand) 2022: $48.189,84
BTC (Tiefststand) 2012: $4,82 – BTC (Tiefststand) 2022: $15.588
Sam Bankman-Fried von FTX werden Verbindungen zu Personen des „klassischen Finanzsektors“ nachgesagt. Das ist, als Hintergrund für viele Krypto-Unternehmer, nicht ungewöhnlich. Kritische Stimmen sehen „SBF“ vor diesem Hintergrund jedoch als „Agent von Big-Finance“, der die Axt an die Kryptosphäre ansetzen sollte.
Ich sehe immer noch keine Gründe, warum DIESER Bankrott jetzt den gesamten Markt und Blockchain-basierte Coins/Tokens insgesamt in den Abgrund reißen sollte. Die FTX-Pleite wird teilweise schon mit der Lehman-Brothers-Pleite im Zuge der Finanzkrise 2008 verglichen. Aber selbst diese Krise hat der Finanzsektor überlebt, hat der US-Dollar überlebt, hat der Euro überlebt und die Banken standen schnell besser da, als vor der Krise. Der Kryptomarkt ist im Vergleich von deutlich größerer Plastizität und Resilienz, es gibt keinen Anlass, dessen Ende – zum unzähligsten Male – auszurufen.
Was als Erkenntnis und Gewissheit mitgenommen werden muss: Niemand sollte ohne triftigen Grund (Day-/Swing-Trading) seine Assets auf einer Exchange belassen. Kryptowerte gehören in eine eigene Wallet, Private Keys besitzt man selbst und sonst niemand!
Dezentrale Technologie (Kryptowährungen) auf zentralisierten Börsen zu parken und diese dann nicht im selben Maße wie den Bankensektor zu regulieren, ist definitiv Leicht-, vielleicht sogar Wahnsinn.
Gerne beraten wir bei alternativen Lösungen, wer weiß wie, sollte überlegen, das Netzwerk durch betreiben eigener Nodes unabhängiger und freier zu gestalten.