30/06/2022
"Preis bei Lieferung" funktioniert nicht zwischen Herstellern und Händlern!
Das Verhältnis zwischen den Herstellern und den Technischen Händlern droht derzeit auseinanderzudriften, wie es in der langen Geschichte der Branche selten vorgekommen ist. Stein des Anstoßes ist der allgegenwärtige Preisdruck, den die Hersteller vollständig auf den Handel ableiten wollen. Dabei fällt die Wahl der Mittel höchst bedenklich aus. Einige Fabriken ziehen Klauseln in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen aus der Tasche, wonach es ihnen gestattet sein soll, die zunächst im Angebot abgegebenen Preise nach eigenem Belieben zum Zeitpunkt der Lieferung und Rechnungsstellung einseitig zu ändern.
Das ruft den VTH Verband Technischer Handel e.V. auf den Plan, der findet, dass sich diese Vorgehensweise nicht mit den guten kaufmännischen Sitten vereinbaren lässt und darüber hinaus auch juristisch zweifelhaft ist. Es liegt auf der Hand, dass sich aus solchen Klauseln eine gravierende Benachteiligung der Händler ergibt. Denn sie können unter diesen Bedingungen zum Zeitpunkt der Angebotsabgabe gegenüber ihren Kunden nicht mehr sicherstellen, selbst nicht durch einen Risikoaufschlag, dass ihre Kalkulation für sie auskömmlich sein wird. Das gleicht einem betriebswirtschaftlichen Blindflug, denn unter diesen Umständen können sie keinerlei verlässliche Gewinnplanung mehr für ihre Betriebe aufstellen. Damit ist ihr gesamtes Geschäftsmodell bedroht und sind ihre Existenzen gefährdet.
In einem Appell , den der VTH in der Juni-Ausgabe seines Fachorgans "TH Technischer Handel" veröffentlicht hat (Seite 16 ff.), fordert der Vorstand des Verbandes die Hersteller unmissverständlich auf, ihr Verhalten zu überdenken und zu revidieren. Das Vertrauen in die traditionelle Partnerschaft zwischen den Herstellern und ihren Vertriebspartnern stellt eine elementare Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche gemeinsame Marktbearbeitung dar. Nachhaltigkeit in der Hersteller-Händler-Beziehung sollte besonders auf Stabilität, langfristige Partnerschaften, transparente und zeitnahe Kommunikation und das Teilen von Risiken und Chancen fokussieren. Der Vertrieb technischer Industriebedarfsartikel wird nur besser aus der momentanen Krise herauskommen, wenn alle Seiten aufeinander achten.