06/08/2024
Weinberg Hermann Versicherungsmakler KG
Mehr Grün – Weniger Washing!
Letztes Jahr am Flughafen Köln-Bonn las ich etwas von deren Ökobilanz (!), Kohlenstoffdioxid-Reduktionen und dass man auf einem guten Wege sei. Ich will das nicht weiter groß kommentieren – aber hier scheint ein interessanter Fall von Greenwashing vorzuliegen. Landen und starten dort schon Jets mit sog. „Grünem Wasserstoff“? Oder nehmen die Corona 2021 als das Maß aller Dinge? Bloß nicht!
Wie auch immer. Als Weinberg Hermann sind wir bekannt dafür, grundsätzlich nicht krampfhaft das Licht der Öffentlichkeit zu suchen. Oder ständig davon zu fabulieren, wie professionell wir uns tagtäglich für unsere echten Forstmandanten einsetzen. Das merken alle Beteiligten so oder so schon seit vielen Jahren.
Aber die Flughafengeschichte geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Denn Grünwasch können wir selbstverständlich auch! Ich möchte das verdeutlichen am Beispiel meines früheren Dienst-PKW, ein VW Passat TDI, 104 KW, Erstzulassung 2010. Dieser Wagen hat mich seit Gründung unserer Firma in 10/2012 (und davor) über 13 Jahre treu und zuverlässig über alle Höhen und Tiefen selbstbestimmter Existenz begleitet. Die größte Panne hatte ich 2022 mit dem Ausfall der Lichtmaschine auf dem Weg in den Urlaub. Die Werkstatt meines Vertrauens behob den Schaden noch am selben Tag nach einer Anreise über 280 km. Gute Geschäftspartner sind Gold wert.
Inzwischen hat der Wagen stolze 604.000 km auf der Uhr. Ein Blick auf das Äußere lässt erahnen, dass diese nicht von selbst zusammenkamen. Wir liegen jetzt beim zweiten Getriebe und dritten Motor (Nr. 3 mit > 500.000 km). Alle anderen laufenden (Verschleiß-) Teilewechsel mal unbenommen. Und ohne 130 km/h auf der Autobahn (ich lebe gern und hoffentlich lange) sowie eine außergewöhnliche gute Werkstattcrew wäre das sicher unmöglich gewesen. Hei, wie die sich immer beim Servicecheck freuten, wenn die nächsten 100.000 geknackt waren. Alles was quietschte, wackelte oder drohte den Geist aufzugeben, wurde und wird gewechselt. Da kamen immer locker ein paar Tausender pro Jahr zusammen. Und klar, es ist ein im besten Sinne deutsches Auto.
In unserer auf Äußerlichkeiten fixierten Gesellschaft wäre ein neuer und stärkerer Wagen alle 3-4 Jahre sicher cool und schick gewesen. Rein rechnerisch war das für mich aber keine Alternative. Der theoretische Wertverlust eines Neuwagens lag bei mir immer deutlich über den realen, laufenden Instandhaltungskosten. Dazu der sparsame TDI mit unter 6 Litern Verbrauch. Scherzhaft sage ich immer, allein mit der langen Nutzung des Wagens Geld verdient zu haben. Je länger die Selbständigkeit andauerte, desto mehr löste ich mich dann vom Statusgedanken. Status ist für mich Kundenzufriedenheit, definiert über die Bindungsquote zufriedener Mandanten.
Und damit bin ich schon mitten drin in der firmeneigenen Ökobilanz-Waschanlage. Irgendwer sagte mir mal, dass nur jedes NICHT produzierte Auto tatsächlich emissionsfrei ist. Recht hat er. Leider bin ich aber auf das Auto angewiesen wie kaum ein anderer. Und als Unternehmensgründer 2012 nicht gerade im Gelde badend, schien der Weg der pfleglichen und damit längeren Nutzung eines Dienstwagen für mich der beste Weg zu sein, um einerseits die laufenden Kosten der Mobilität so gering wie möglich zu halten, und zweitens, quasi im Kielwasser dieses Ansatzes, noch etwas Gutes für die Umwelt tun zu können.
Vom Zeitpunkt der Zulassung im April 2010 (damals noch als Angestellter) bis zum Verkauf an meine Frau im Oktober 2023, war ich 13,5 Jahre mit dem Wagen dienstlich unterwegs. Die Durchschnittslaufleistung liegt bei ca. 45.000 km / Jahr.
Ausgehend von einer Fahrzeugnutzungsdauer von 4 Jahren, wurden somit mindestens 2 PKW Passat NICHT produziert. Ggf. auch 3. Je nach Sichtweise. Keine Ahnung, wieviel Tonnen Ressourcen (Wasser, Kohlenwasserstoffe, Metalle) und Kohlenstoffdioxid damit eingespart resp. grün gewaschen wurden. Sicher eine Menge.
Nun gibt es schon die ersten ökobewegten Schlaumeier die behaupten, die lange Nutzung hochwertiger Konsumgütern leiste keinen Beitrag zum Umweltschutz. Das ist mir aber herzlich wurscht. Denn jeder mit ein wenig gesundem Menschenverstand sieht das sicher differenzierter.
Zu guter Letzt noch der Hinweis, dass mein Ex-Dienstpasserati von unserer Familie weiter privat gefahren wird. Ich liebe den Wagen: zuverlässig, geringer Verbrauch, langstreckentauglich mit Reichweite über 1000 km, niedrige Elektrosmogemission, Nichtverfolgbarkeit durch „Big Brother“. Ich wäre doch blöd, mein Greenwashing nicht noch ein paar Jahre weiter zu betreiben, oder?
Herzlichst, Ihr Thomas Weinberg