01/09/2026
"WIR BÜNDELN UNSERE KRÄFTE NOCH STÄRKER"
**Ein Doppel-Interview**
Silke Hauschildt (Elbegarten GmbH, Glückstadt),
Vorsitzende des Förderkreises Feste Unterelbequerung e.V.
& Michael Blach (EUROGATE GmbH & Co. KGaA, KG, Bremen/Bremerhaven),
Vorsitzender des Fördervereins Pro A20 e.V.
1. Was bedeutet die vereinbarte engere Zusammenarbeit der beiden Vereine konkret? Was planen Sie?
Silke Hauschildt:
Die engere Zusammenarbeit ist vor allem ein Signal der Geschlossenheit. Beide Vereine verfolgen seit jeher das gleiche Ziel: die Menschen in der Region sachlich über die Bedeutung der A20 und der festen Elbquerung zu informieren und aufzuzeigen, welche Chancen dieses Infrastrukturprojekt für die Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und die gesamte Region bietet.
Es geht uns ausdrücklich nicht darum, die Auseinandersetzung mit Projektgegnern zu verschärfen. Unser Ansatz war immer die faktenbasierte Information. Allerdings erleben wir, dass kritische Stimmen oft leichter öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Deshalb bündeln wir künftig unsere Kräfte noch stärker, um die Argumente für das Projekt sichtbarer zu machen und mit einer gemeinsamen Stimme aufzutreten.
Konkret planen wir einen intensiveren Austausch, gemeinsame Veranstaltungen und eine stärkere Vernetzung aller Akteure, die sich für die A20 einsetzen – von Unternehmen über Kommunen bis hin zu Verbänden. Je geschlossener die Region auftritt, desto deutlicher wird, dass es sich bei der A20 nicht um ein Einzelinteresse handelt, sondern um ein zentrales Zukunftsprojekt für Norddeutschland.
2. Welche Vorteile verbinden Sie mit der A20?
Michael Blach:
Die A20 ist die Küstenautobahn, die perspektivisch die deutschen Seehäfen besser miteinander verbindet und damit eine wichtige Lücke in der norddeutschen Verkehrsinfrastruktur schließt. Sie schafft eine dringend benötigte Alternative zur heutigen Verkehrsführung, insbesondere zu den hoch belasteten Achsen der A1 und den Elbquerungen im Raum Hamburg.
Für die Wirtschaft bedeutet das vor allem: kürzere und verlässlichere Wege, weniger Staus und eine bessere Erreichbarkeit der Häfen und Wirtschaftsstandorte. Gerade für Unternehmen ist Planbarkeit ein entscheidender Standortfaktor. Mit der A20 kann Norddeutschland seine Funktion als Logistikdrehscheibe stärken und seine Position als Schnittstelle zu den europäischen Märkten und insbesondere zu Nordeuropa weiter ausbauen.
3. Wie zufrieden sind Sie mit den Baufortschritten der A20? Sind die Fortschritte der vergangenen Monate so groß, dass Sie ernsthaft hoffen dürfen, auf der A20 noch fahren zu können?
Silke Hauschildt:
Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, dass das Projekt bereits deutlich weiter fortgeschritten wäre. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren in Deutschland sind lang und komplex, und die A20 ist dafür ein besonders prominentes Beispiel.
Dennoch bin ich heute deutlich optimistischer als noch vor einigen Jahren. In den vergangenen Monaten und Jahren haben wir an verschiedenen Stellen wichtige Fortschritte gesehen – sowohl bei den Planungsabschnitten als auch bei den laufenden Bauarbeiten. Vor allem ist erkennbar, dass Bund und Länder das Projekt weiterhin verfolgen und voranbringen wollen.
Als Unternehmerin weiß ich, dass große Infrastrukturprojekte einen langen Atem brauchen. Entscheidend ist für mich, dass der politische Wille vorhanden ist und die nächsten Schritte konsequent umgesetzt werden. Deshalb glaube ich durchaus, dass wir die Fertigstellung weiterer Abschnitte erleben werden. Ob ich eines Tages die gesamte Strecke von der niederländischen Grenze bis zur Ostsee befahren kann, weiß niemand mit Sicherheit. Aber es gab noch nie bessere Gründe, optimistisch zu sein.
4. Was sind Ihre Forderungen an die Politik, damit der Bau der A20 stärker vorangetrieben werden kann? Wie zufrieden sind Sie mit den auf Bundesebene beschlossenen Maßnahmen zur Beschleunigung von Bau und Planung? Was sollte in rechtlicher Hinsicht geschehen, um den Bau der A20 voranzubringen?
Michael Blach:
Wir müssen bei der A20 endlich deutlich schneller werden. Die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren ist bei Infrastrukturprojekten von nationaler Bedeutung nicht mehr akzeptabel. Wenn wir Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sichern wollen, brauchen wir auch bei der Infrastruktur einen anderen Takt.
Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ist aus unserer Sicht ein richtiger Schritt, weil es genau an dieser Stelle ansetzt. Entscheidend wird aber sein, dass die neuen Möglichkeiten auch konsequent genutzt werden. Es darf nicht bei gesetzlichen Beschleunigungsversprechen bleiben – die Verfahren müssen tatsächlich schneller werden.
Und natürlich braucht es Planungssicherheit bei der Finanzierung. Ein Projekt wie die A20 erst zu planen und dann bei der Umsetzung auf die Finanzierung zu warten, können wir uns nicht leisten. Wer die A20 will, muss sie deshalb auch über die gesamte Laufzeit verlässlich finanzieren.
5. Gegner der A20 sprechen von einem „Milliardengrab“. Sind die Investitionen in Zeiten knapper oder sogar leerer Kassen und angesichts des Klimawandels wirklich zu rechtfertigen?
Silke Hausschildt:
Ich halte den Begriff „Milliardengrab“ für zu kurz gegriffen. Die entscheidende Frage lautet doch: Was kostet es, wenn wir wichtige Infrastruktur nicht bauen?
Für die Unternehmen in unserer Region bedeutet die fehlende Elbquerung täglich Umwege, Zeitverluste, höhere Transportkosten und eine geringere Planungssicherheit – und das jetzt bereits seit mehreren Jahrzehnten. Das belastet die Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben und erschwert Investitionen. Gleichzeitig sind gute Verkehrsverbindungen eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsplätze und Wohlstand.
Auch beim Thema Klimaschutz lohnt sich ein differenzierter Blick. Staus, Ausweichverkehre und lange Umwege verursachen ebenfalls CO₂-Emissionen. Eine leistungsfähige Infrastruktur kann dazu beitragen, Verkehrsströme effizienter zu lenken und unnötige Kilometer zu vermeiden. Zudem wird auch künftig der Güterverkehr eine wichtige Rolle für die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung spielen – unabhängig davon, ob die Fahrzeuge mit Diesel, Strom, Wasserstoff oder anderen klimafreundlichen Antrieben unterwegs sind.
Aus meiner Sicht ist die A20 deshalb keine Investition in die Vergangenheit, sondern in die Zukunftsfähigkeit Norddeutschlands. Wer die wirtschaftliche Bedeutung der Region ernst nimmt, kommt an leistungsfähiger Infrastruktur nicht vorbei. Die A20 ist dabei ein wesentlicher Baustein.
6. Abschlussfrage: Was sind die nächsten geplanten Aktivitäten?
Michael Blach:
Wir wollen weiter für die A20 und insbesondere für die Elbquerung werben und den politischen Druck aufrechterhalten. Dazu gehört auch die laufende Online-Petition, mit der wir der Forderung nach einem zügigen Bau der Elbquerung zusätzliches Gewicht verleihen wollen.
Petition · Elbtunnel Glückstadt-Drochtersen JETZT! – Die Region braucht die A 20 - Deutschland · Change.org
Ein wichtiger nächster Termin ist der Parlamentarische Abend am 8. September 2026 in Berlin. Dort wollen wir mit Landesministern, Bundestagsabgeordneten, der Autobahn GmbH sowie Unternehmerinnen und Unternehmern ins Gespräch kommen. Uns geht es dabei nicht um weitere Grundsatzdebatten, sondern ganz konkret um die Frage: Was muss jetzt geschehen, damit die Küstenautobahn schneller vorankommt?
Die Region braucht die A20 – und sie braucht vor allem endlich mehr Tempo bei ihrer Umsetzung.