01/09/2026
Lohnzusatzkosten: Für das Handwerk ist die Belastungsgrenze überschritten
Die Konjunkturflaute im Handwerk hält an, Investitionen kommen nicht in Gang, und immer mehr Betriebe geben auf. Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich liegt eine der größten Ursachen dort, wodurch Arbeit in Deutschland besonders teuer wird: bei den Lohnzusatzkosten. Daher fordert er von der Regierungskoalition weitere Reformen, um die Sozialabgaben wieder unter die Marke von 40 Prozent zu bringen.
„Auf den Plätzen eins, zwei und drei steht für das Handwerk die Senkung der Lohnzusatzkosten“, benennt Jörg Dittrich gegenüber Stefan Paravicini von der FAZ.NET - Frankfurter Allgemeine Zeitung den Bereich, in dem dringend weitere Reformen folgen müssen.
Der Handlungsdruck ist aus seiner Sicht an dieser Stelle besonders groß, weil der Lohnanteil im Handwerk mit durchschnittlich 60 Prozent deutlich höher liege als in anderen Wirtschaftsbereichen. Steigende Sozialversicherungsbeiträge würden damit unmittelbar auf die Betriebe durchschlagen. Jeder zusätzliche Prozentpunkt entspreche rund 20 Milliarden Euro, die Beschäftigten beim verfügbaren Einkommen und den Betrieben für Investitionen fehlten. Inzwischen liege die Belastung rund drei Prozentpunkte über der Marke von 40 Prozent, die lange als rote Linie gegolten habe. Dorthin müsse Deutschland zurück.
Der Handwerkspräsident betont, dass seine größte Sorge nicht sei, dass ein günstigerer Wettbewerber einen Auftrag übernehme, sondern vielmehr, dass sich Verbraucher handwerkliche Leistungen irgendwann nicht mehr leisten könnten. Wenn Dienstleistungen und Reparaturen für Verbraucher zu teuer würden, sinke die Nachfrage. Für das Handwerk werde damit die Kostenbelastung zu einem Problem, das unmittelbar auf den Absatz durchschlage.
Die angespannte Lage zeige sich auch bei den Investitionen. Diese kämen trotz Sondervermögen, Bauturbo und Investitions-Sonderabschreibungen nicht ausreichend in Gang. Öffentliche Mittel kommen aus seiner Sicht zu langsam bei den Betrieben an. Vor allem fehle es aber an privaten Investitionen.
Die bisherigen Reformen der schwarz-roten Regierungskoalition reichen nach Dittrichs Einschätzung noch nicht aus, um wieder zu mehr wirtschaftlicher Dynamik zu kommen. Zwar seien einige richtige Vorhaben angestoßen worden, diese müssten nun schnell umgesetzt werden. Und auch dann heiße es für die Regierung, weiterzumachen und weitere Reformen im Herbst auf den Weg zu bringen.
Zum Interview: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/zdh-chef-joerg-dittrich-ich-fuerchte-dass-sich-der-verbraucher-den-handwerker-nicht-mehr-leisten-kann-201165994.html