13/05/2026
Rosen liegen auf dem Boden, vier Grablichter flackern, Weihrauch steigt zum Himmel empor: Es ist ein bisschen wie in einer Kirche – aber nur ein bisschen, denn wir sind mitten im Watt - in der ehemaligen Kirche von Rungholt. Die legendäre Siedlung ist 1362 in einer Sturmflut untergegangen. Tausende Nordfriesen ertranken.
Von der Kirche ist nichts mehr zu sehen. Aber die tonnenschweren Mauern des Gotteshauses haben eine Art Fußabdruck für alle Zeiten in den Wattboden gedrückt. Archäologe Bente Sven Majchczack von der Uni Kiel.
"Wir haben die Kirche jetzt rekonstruiert auf Basis von unserem magnetischen Messbild und auf Basis von vergleichbaren Kirchengrundrissen hier aus der Region. Ich habe quasi den Altar dahingestellt, wo er in Breklum steht."
Rungholt liegt zwischen der Hallig Südfall und Pellworm. In einer besonderen Schutzzone, in die keine Touristen dürfen. Bruder Johannes und Bruder Elija vom Klister Nütschau bekamen eine Sondergenehmigung für eine Trauerfeier für Sturmflutopfer.
"Für die vielen namenlosen Ertrunkenen und alle Verstorbenen. Nimm sie auf in deinen ewigen himmlischen Frieden."
In der Schutzzone Wattenmeer im Gedenken an die Sturmflut wird deutlich: Die Natur ist bedrohlich – und selbst bedroht. Unter den Trauergästen war den neben Forschern auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt.
"Mich bewegt das Wattenmeer immer, aber heute, als die Kirche hier sichtbar geworden ist und die Wissenschaftler gesprochen haben, aber auch die Kirchenleute gesprochen habe, da hat sich das Bild einfach sehr gut zusammengefügt. Und wir Menschen sind einfach Teil der Natur."
Diese Andacht war übrigens ein Anliegen der Forscher. Warum erklärt Archäologe Bente Sven Majchczack von der Universität Kiel:
"Als wir die Kirche gefunden haben, war gleich die Idee: Hier stehen wir irgendwann und machen eine Gedenkveranstaltung. Ich freu mich total, dass wir das heute gemacht haben."
Am 5. Mai fand im Watt vor Nordstrand eine Trauerfeier für alle Flutopfer von Rungholt statt. 1362 verloren dort tausende Nordfriesen bei einer Sturmflut ihr Leben.
/ Klaus Böllert in "Moment mal" auf NDR 2