17/05/2022
Für wen ist die private Krankenversicherung sinnvoll?
Das wohl wichtigste Argument für eine private Krankenversicherung ist der Zugang zu umfassenderen medizinischen Leistungen in vielen Bereichen. Doch Tarife, die wirklich eine gute Absicherung bieten, gibt es in der Regel nicht zum Schnäppchenpreis.
Insbesondere im Alter steigen die Beiträge – unabhängig davon, wie viel Du verdienst oder als Rente bekommst. Nur wenn Du sicher bist, dass Du Dir die Beiträge langfristig leisten kannst, ist die PKV eine sinnvolle Wahl. Über den Wechsel zu einem privaten Krankenversicherer solltest Du daher erst nachdenken, wenn Du die folgenden fünf Kriterien erfüllst:
1. Du bist jünger als 40 Jahre
Die private Krankenversicherung wird mit den Jahren immer teurer. Ein Teil des Beitrags fließt deshalb in sogenannte Altersrückstellungen, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter nicht zu stark ansteigen. Damit die Rechnung aufgeht, muss allerdings möglichst lange möglichst viel Geld angespart werden. Zins und Zinseszins spielen jungen Versicherten in die Hände. Wer nur eine kurze Zeit privat versichert ist, kann keine ausreichenden Altersrückstellungen aufbauen. Wenn Du erst spät in die PKV wechselst, musst Du einen größeren Teil Deines Beitrags als Altersrückstellung ansparen. Der Gesamtbeitrag ist dadurch viel höher.
Daher solltest Du möglichst nicht älter als 40 Jahre, besser noch 35 Jahre sein, wenn Du Dich für die private Krankenversicherung entscheidest. Bist Du älter, kommt eine private Krankenversicherung nur noch in Ausnahmefällen infrage. Etwa wenn Du durch ein Erbe finanziell sehr gut abgesichert bist und Dir den Preisaufschlag leisten kannst.
2. Du bist weitgehend gesund
Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung darf sich jeder private Versicherer seine Kunden aussuchen. Vor der Aufnahme in die private Krankenversicherung gibt es daher eine ausführliche Gesundheitsprüfung in Form eines Fragenkatalogs. Damit suchen die Anbieter sich Kunden aus, die möglichst gesund sind. Denn wer bereits Vorerkrankungen mitbringt, verursacht wahrscheinlich höhere Kosten als ein komplett gesunder Mensch. Daher lehnen private Krankenversicherungen Interessenten mit Vorerkrankungen ab oder verlangen Risikoaufschläge auf den Beitrag.
Wenn Du Dich zu annehmbaren Konditionen privat krankenversichern möchtest, solltest Du daher möglichst gesund sein. Wurdest Du in den vergangenen drei Jahren wegen einer psychischen Krankheit behandelt oder hast Du eine akute oder noch nicht vollständig ausgeheilte Krebserkrankung, dann bekommst Du in der Regel keinen Vertrag.
Schwierig kann es auch bei folgenden Erkrankungen werden:
Bluthochdruck,
Herz-Kreislauf-Probleme,
Diabetes,
Asthma,
Allergien,
Rückenleiden,
Wirbelsäulenerkrankungen,
körperliche oder geistige Behinderungen.
Falls die Behandlung dieser Erkrankungen nicht mindestens seit einem Jahr abgeschlossen ist, musst Du mit einem Risikoaufschlag rechnen. Der Zuschlag macht in der Regel 10 bis 30 Prozent aus und wird nur auf den Teil des Beitrags erhoben, der von der Krankheit betroffen ist. So wirkt sich eine Asthma-Erkrankung beispielsweise auf den Beitrag für ambulante und stationäre Behandlungen aus, nicht aber auf den Teil des Beitrags, den Du für Zahnbehandlungen zahlst.
Beamte mit Vorerkrankungen nehmen viele Versicherer im Rahmen einer sogenannten Öffnungsaktion zu erleichterten Bedingungen auf.
3. Deine Familienplanung steht bereits fest
Wenn Du weder Ehepartner noch Kinder hast und auch in Zukunft keine haben möchtest, hast Du es bei der Entscheidung für die Privatversicherung sehr viel einfacher. Hast Du aber Familie oder planst, eine zu gründen, dann solltest Du genau rechnen: Denn eine kostenlose Familienversicherung wie in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der privaten nicht. Du musst daher auch Deine Kinder privat krankenversichern und für sie Beiträge zahlen.
Während der Elternzeit musst Du Deine Versicherungsbeiträge weiterzahlen. Bist Du angestellt, fällt in dieser Zeit auch der Zuschuss Deines Arbeitgebers zur Krankenversicherung weg und Du musst den gesamten Beitrag alleine zahlen. Einige wenige private Tarife bieten zwar eine Beitragsbefreiung in der Elternzeit an, jedoch meist nur für sechs Monate.
Berücksichtige bei Deiner Entscheidung für oder gegen die PKV also die Beiträge für die gesamte Familie. Und mach Dir gemeinsam mit Deinem Partner Gedanken darüber, wer von Euch wie lange wegen der Kinder zuhause bleiben möchte.
4. Du verdienst gut oder hast Vermögen
Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung musst Du Dir sowohl jetzt als auch in Zukunft leisten können. Denn der Entschluss, sich privat zu versichern, ist eine Entscheidung fürs Leben. Zwar gibt es Wege, durch Tarifwechsel den Beitrag zu senken oder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Doch das ist oft nicht so einfach. Da sich der Versicherungsbeitrag nicht an das niedrigere Einkommen im Ruhestand anpasst, solltest Du vor einem Wechsel in die private Versicherung alles genau durchrechnen.
Wenn Du Dich privat versichern willst, solltest Du das möglichst früh tun, damit der Beitrag nicht zu hoch ist. Das Problem dabei: Anfang 30 sind viele gerade erst richtig ins Berufsleben gestartet, die Karriere steht noch nicht fest, und auch das Leben ist noch nicht durchgeplant. Dennoch musst Du Dich fragen: Bin ich mir sicher, dass ich langfristig gut verdienen werde? Kommen keine finanziellen Engpässe oder unvorhergesehenen Zahlungen auf mich zu?
Dabei solltest Du bedenken: Gute Tarife sind nicht so billig, wie es viele Lockangebote glauben machen. Mit 450 bis 600 Euro im Monat solltest Du zum Einstieg durchaus rechnen. Hast Du Familie, kommt der Beitrag für jedes Familienmitglied noch obendrauf.
Wenn Du selbstständig bist, kann das zum Problem werden. Denn Du hast nur wenige Möglichkeiten, zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, falls Dein Geschäft mal schlecht läuft oder Du Dich arbeitslos melden musst. Zahlst Du nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, bekommst Du im Alter auch keinen Zuschuss zu Deinen PKV-Beiträgen.
Für alleinstehende, gutverdienende Angestellte ist die private Krankenversicherung meist billiger als die gesetzliche. Den gesparten Beitrag solltest Du aber nicht ausgeben, sondern fürs Alter ansparen.
Denn mit den Jahren kostet die Versicherung immer mehr. Im Jahr 2000 und 2020 stiegen die Beiträge laut Branchendienst Map-Report für Angestellte durchschnittlich um rund 3,8 Prozent pro Jahr, für Beamte um rund 2,9 Prozent. Auch die gesetzliche Krankenversicherung wurde teurer.
Der Unterschied: Wenn Du in Rente bist und niedrigere Einnahmen hast, hängt der Krankenversicherungsbeitrag in der gesetzlichen von Deinem Einkommen ab. In der PKV zahlst Du immer gleich viel, egal ob Du gerade viel oder wenig Geld hast.
Trotz der Altersrückstellungen stieg der Beitrag für privatversicherte Rentner laut Map-Report um durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr.
Wenn Du in die private Krankenversicherung wechselst, musst Du daher auch die Gesundheitsausgaben in Deine Altersvorsorge mit einrechnen und ein entsprechendes Finanzpolster ansparen.
Wir haben für einen Beispielfall ausgerechnet, wie viel die Krankenversicherung im Alter kostet, wenn der Beitrag regelmäßig steigt.
Wir gehen dabei von einem 35-Jährigen aus, der zu Vertragsbeginn 500 Euro Beitrag zahlt. Bis zur Rente mit 67 Jahren steigt sein Beitrag pro Jahr um 3 Prozent, während der Rente weiterhin um 2,3 Prozent.
Zu Beginn der Rente liegt sein PKV-Beitrag bei gut 1.290 Euro pro Monat. Bis zu seinem 85. Geburtstag steigt dieser auf knapp 1.940 Euro.
Beispielrechnung: PKV-Beitrag im Alter
Beitrag bei Abschluss Beitrag zu
Rentenbeginn Beitrag mit 85 Jahren
500 Euro 1.288 Euro 1.939 Euro
Bedenke deshalb: Du musst für das Alter vorsorgen. Je geringer Deine Rentenansprüche ausfallen werden, desto mehr solltest Du selbst zurücklegen. Wenn Du bereits Vermögen besitzt, solltest Du prüfen, ob Dein Finanzpolster ausreicht. Denn rechnet man alle Beiträge im Rentenalter zusammen, ergibt sich eine stattliche Summe.
5. Du arbeitest in keinem riskanten Beruf
Manche Berufsgruppen haben es schwer, sich privat zu versichern. Wenn Du einen Job mit einem hohen gesundheitlichen Risiko ausübst, beispielsweise als Sprengmeisterin oder Stuntman, musst Du mit hohen Risikozuschlägen rechnen. Zudem stehen Dir voraussichtlich nur wenige private Versicherungstarife offen.
Daneben gibt es noch andere – auf den ersten Blick unverfängliche – Berufe wie Kioskbesitzer oder Schaustellerin, die von privaten Anbietern nur ungern versichert werden. Der Grund: Die Versicherungswirtschaft betrachtet diese Klientel von vornherein als unsichere Zahler.