30/07/2019
SILBER - Aus Frankfurter Börsenbrief:
Silber ist der neue Liebling der Finanzcommunity.
In den letzten zwei Wochen haben ETFs ihre Silberbestände kräftig auf 544 Mio. Unzen in die Höhe gefahren und damit die Underperformance zum Gold beendet. Was steckt dahinter?
Silber holt auf. Das Preisverhältnis von Gold zu Silber ist extrem zugunsten des Goldes verrutscht. Erstmals hatte sich Pharao Menes vor 5.000 Jahren an einer Daumengröße für das richtige Verhältnis der Werte versucht. Er setzte zweieinhalb Einheiten Silber einer Einheit Gold gleich. Aber Gold war nicht nur bei Olympischen Spielen den Nutzern lieber als Silber. Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA 1898 setzte sich William McKinley mit seiner Forderung nach einem Goldstandard für den Dollar gegen William Bryan durch, der eine Deckung durch Silber favorisierte. Seit 2012 lag das durchschnittliche Verhältnis bei 55:1, inzwischen aber bei 88:1. Warum sollte sich das gerade jetzt korrigieren?
Die Silberkäufe der ETFs in den letzten Wochen von 600 Tonnen machen aufmerksam. Die Notierungen, die bisher nur so dahindümpelten, zogen plötzlich an. Die Commerzbank hat berechnet, dass im laufenden Jahr das Angebot von 1.016 Mio. Unzen die Nachfrage von 1.094 Mio. Unzen nicht wird befriedigen können. Für 2020 kalkulieren die Analysten mit 1.019 Mio. Unzen Bereitstellung bei einem Bedarf von 1.103 Mio. Unzen. Wir geben diese Information so weiter, enthalten uns bei diesem Metall aber einer eigenen Markteinschätzung. Warum?
Die Fundamentals sind schwieriger zu kalkulieren als beim Gold. Das muss jeder Investor für seine Risikoeinschätzung berücksichtigen. Die Gründe: 1.) Silber wird häufig als Beiprodukt von Kupfer, Blei und Zink gefördert. Das geförderte Silber wird also unabhängig vom aktuellen Marktpreis konstant gefördert und mitverkauft. Für die Analyse des Silberangebots sind entsprechend die Preisentwicklungen bei anderen Industriemetallen maßgebend (Recycling ist im Gegensatz zu Gold nicht besonders ausgeprägt). 2.) Die Lagerbestände sind so breit gestreut, dass ein Gesamtüberblick unmöglich ist. 3. Die Nachfrage hängt an der technischen Entwicklung (die Hälfte der Förderung absorbiert die Industrie). Als Fotos weniger ausgedruckt wurden, brauchte man weniger Silber, mit diversen Hightech-Verwendungen steigt der Bedarf aber evolutionär wieder an.
Aktueller Aufhänger für die Ängste um eine Verknappung sind die angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und Mexiko. Die produktivsten Silberminen befinden sich in den mexikanischen Bundesstaaten Zacatecas, Sonora und Durango. Mexiko ist mit 22 % Weltmarktanteil in der Förderung einer der wichtigsten Spieler in diesem Markt.
Vom Timing unterstützt. Silber hat in der Vergangenheit häufig in der Spätphase eines Konjunkturzyklus Investoren angezogen. Nach dem Platzen der Immobilienkrise vor zehn Jahren begann Silber seinen letzten scharfen Aufwärtstrend von 14 auf 49 Dollar mit der ersten Zinssenkung der FED. Die Zyklik befindet sich gegenwärtig an einem ähnlichen Ausgangspunkt. Nach dem Brexit-Votum 2016 schoss Silber sogar auf 21 Dollar. Trader spekulieren mit einer ähnlichen Dynamik, wenn das Vereinigte Königreich nun die EU zum 1. November tatsächlich verlässt.
Dies ist ein Textauszug aus dem „Frankfurter Börsenbrief“ in seiner Ausgabe vom 27.07.2019. Mehr Infos zu diesem Brief inkl. der "Schnupperkonditionen" gibt es hier:
https://www.frankfurter-boersenbrief.de