08/10/2024
Vier Gründe für ein gutes viertes Quartal
Das dritte Quartal begann mit einem Börsencrash. Die Aktiendepots von Anlegern, die ihre Nerven behielten, notierten drei Monate später dennoch im Plus. Verlaufen die kommenden Monate nun ruhiger? Garantiert ist das natürlich nicht. Aber es spricht einiges dafür, meint Kornelius Purps von Antea.
Wie geht es weiter an der Börse? Antea-Kapitalmarktstratege Kornelius Purps nennt Argumente, weshalb die Aktienmärkte auch im vierten Quartal insgesamt ein freundliches Bild abgeben könnten.
Grund 1: Fallende Zinsen
Die großen Zentralbanken, darunter die US-Notenbank Federal Reserve (im Bild deren Chef Jerome Powell) haben begonnen, die Zinsen zu senken. "Diese Phase sollte solange positiv auf die Aktienmärkte ausstrahlen, wie die amerikanische Volkswirtschaft nicht in eine Rezession abgleitet und/oder kein außergewöhnliches Schockereignis eintritt", meint Purps. "Nach einer US-Rezession sieht es derzeit nicht aus. Ein weiterer Ölpreisanstieg könnte jedoch zu einer Belastung werden."
Grund 2: Peking macht Ernst
Als zweiten Faktor, der für freundliche Aktienmärkte spricht, nennt Purps das Konjunkturpaket, mit dem Chinas Staatspräsident Xi Jinping (im Bild) die lahmende Volkswirtschaft auf Trab bringen möchte. "Mit Zinssenkungen, Anreizen zum Immobilienerwerb und konsumfördernden Geldspritzen will Peking neue Wachstumskräfte entfalten. So fragwürdig die Maßnahmen in einer langfristigen Betrachtung auch sind, kurzfristig erwarten Experten durchaus eine wachstumsstimulierende Wirkung", betont er. "Die Dax-Unternehmen erzielen mehr als zehn Prozent ihrer Umsätze in China. Deren Aktienkurse würden von einem Aufschwung in China höchstwahrscheinlich profitieren", so seine Überzeugung.
Grund 3: Stabile "Mag-7"-Bewertung
Die Gruppe der unter der Bezeichnung "Magnificent-7" oder "Mag-7" zusammengefassten großen US-Technologiefirmen war bis in den Sommer hinein der wichtigste Kurstreiber für die Aktienmärkte. "Von dem Kursrutsch Anfang August haben sich die Mag-7 allerdings bis heute nicht vollständig erholt", so Purps. Immer wieder werde davor gewarnt, ein Kurseinbruch der Mag-7 könnte die anderen Aktienindizes mit in die Tiefe reißen. "Allerdings fußt die Kursentwicklung der Mag-7 auf einem stabilen Fundament. Seit über einem Jahr steigen deren Kurse ausschließlich infolge verbesserter Gewinnaussichten", betont der Kapitalmarktstratege. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für diese sieben Techkonzerne sei seit über einem Jahr insgesamt faktisch unverändert. "Natürlich kann ein Rückgang der Bewertungen niemals ausgeschlossen werden", räumt Purps ein. "Die Gefahr, dass hier eine Bewertungsblase platzen könnte, scheint derzeit aber sehr gering zu sein."
Grund 4: Saisonalität
"Das vierte Quartal ist historisch betrachtet das mit Abstand beste Quartal an den Aktienmärkten", erinnert Purps. "In neun von zehn Jahren erzielt der Dax im vierten Quartal Kursgewinne." Seit 1988 habe es nur vier Jahre mit einem negativen vierten Quartal gegeben (1991, 2000, 2008, 2018). In jedem dieser Jahre war auch das dritte Quartal negativ gewesen, so der Börsenkenner. "Mit anderen Worten: Noch nie folgte auf ein positives drittes ein negatives viertes Quartal. Und in diesem Jahr hat der Dax im dritten Quartal um sechs Prozent zugelegt."
Fazit
"Der Aktienmarktausblick für das vierte Quartal wird von positiven Faktoren dominiert", meint Purps. Allerdings nehme die Gefahr eines "außergewöhnlichen Schockereignisses" dieser Tage fraglos zu: "Sollte der Ölpreis im Zuge der Entwicklungen im Nahen Osten noch deutlich weiter steigen, kämen die Aktienbörsen höchstwahrscheinlich unter Druck."
Die vergangenen Monate waren an der Börse von einiger Volatilität geprägt. "Kursrekorde und Kurskorrekturen, Zinsanhebungen und Zinssenkungen, Konjunkturparalyse und Konjunkturpakete, Wahlkämpfe und Wahlkrämpfe – das dritte Quartal 2024 hatte von allem etwas und vor allem von allem etwas mehr", schreibt Kornelius Purps, Kapitalmarktstratege beim Hamburger Asset Manager Antea, in einer aktuellen Markteinschätzung.
Zu Beginn des vierten Quartals zeichne sich eine Forstsetzung dieses Musters ab. So starteten Anfang Oktober die Aktienmärkte, insbesondere in Europa, erneut etwas schwächer. "Gleichzeitig gibt es gute Gründe, die dafürsprechen, dass die Aktienindizes bis Jahresende weitere Höchststände erreicht könnten", meint er.
Quelle: fondsprofessional