09/11/2023
Sind Sie schnell enttäuscht, wenn Ihre Erwartungen nur zum Teil erfüllt werden?
Zum ersten Mal hat der US-Börsenliebling Google im Jahr 2006 die Gewinnerwartungen der Börsianer enttäuscht. Google meldete für das Schlussquartal 2005 einen Gewinn von 372,2 Millionen Dollar (305 Millionen Euro) und einen Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar. Damit hat das Unternehmen den Gewinn um sage und schreibe 82 Prozent und den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 86 Prozent gesteigert – doch die Analysten hatten mehr erwartet. Sie waren enttäuscht trotz des herausragenden Ergebnisses.
Nach der Veröffentlichung der Zahlen stürzte die Google-Aktie im nachbörslichen Handel massiv ab und verlor fast 17 Prozent! Google-Aktien kosteten damit insgesamt 112 Milliarden Dollar und hatten 16 Milliarden Dollar an Wert verloren, nur weil die Analysten mehr erwartet hatten. Zum Vergleich: Dieser Wertverlust entsprach dem Gesamtwert der Ford-Aktien zu dem Zeitpunkt!
Jeder Investor weiß, dass es fast unmöglich ist, eine punktgenaue Vorhersage zu treffen. Eine vernünftige Reaktion auf eine nicht zutreffende Analystenerwartung wäre also, den Fehler bei den Analysten zu suchen. Die Analysten haben sich verschätzt! Aber so reagiert der Markt nicht! Weiteres Beispiel gefällig?
Am 9. Juni 2022 wurde in den USA gemeldet, dass im Vormonat 229.000 neue Jobs geschaffen wurden. Die Analysten hatten nur 206.000 neue Jobs erwartet. Die Abweichung zwischen der Erwartung und tatsächlichen Zahl lag also bei gerade mal bei 23.000 mehr geschaffenen Stellen für ganz Amerika. Die USA haben etwa 160 Millionen Erwerbstätige, so dass 23.000 neue Stellen mehr oder weniger eigentlich egal sein sollten. Daraus wurde aber die These abgeleitet, [...] Bei LinkedIn weiterlesen