04/11/2025
Industriestrompreis – Linderung ja, Heilung nein
Gestern machte eine Meldung die Runde, die vielen Industriechefs Hoffnung gibt: Katharina Reiche (CDU) will zum 1. Januar 2026 einen staatlich gestützten Industriestrompreis einführen. Klingt nach Befreiung, ist aber eher Notfallmedizin für einen Standort mit Dauerbaustellen.
Was geplant ist
Ein von Dena, Epico Klima-Innovation und Agora Energiewende skizziertes Modell sieht für rund 2.000 besonders stromintensive Betriebe einen garantierten Preis von 5 ct/kWh vor. Der Bund würde das Programm über rund 4,5 Mrd. € in drei Jahren finanzieren. Ziel: Wettbewerbsfähigkeit in Kernbranchen wie Chemie, Stahl, Papier stabilisieren – also dort, wo seit Monaten Abwanderungsdruck herrscht.
Politische Volte... mit Preis
Bemerkenswert: Ausgerechnet jene CDU, die früher vor „Subventionitis“ warnte, setzt nun auf eine der größten Industriesubventionen der letzten Jahre. Das hilft akut – ändert aber an den Ursachen wenig: hohe Energiepreise, langsamer Netzausbau, zu wenig Flexibilisierung auf der Nachfrageseite.
Transformationspflicht als Chance?
Immerhin: Mindestens 50 % der Unterstützung müssen in Dekarbonisierung fließen. Ob daraus echter Wandel entsteht oder nur ein bürokratischer Re-Invest-Nachweis, bleibt offen.
Marktlage im Hintergrund
Aktuell wirken die Energiemärkte ruhiger: Terminstrom Cal-26 Base bewegt sich in seiner Spanne, THE-Gas pendelt moderat, milde Temperaturen dämpfen die Heizgas-Nachfrage, Norwegen & LNG stützen die Versorgung, die EUA-Preise laufen seitwärts. Kurz: Normalisierung statt Panik – was den politischen Druck zwar nicht aufhebt, aber relativiert.
Quintessenz
Der Industriestrompreis ist Schmerzmittel, kein Therapieplan. Er kauft Zeit. Für Unternehmen und Politik. Wettbewerbsfähig wird der Standort erst dann wieder, wenn Erneuerbare schneller ausgebaut, Netze zügiger verstärkt und Verbrauch smarter gesteuert wird. Dann kann man die Medizin absetzen und die Wirtschaft steht wieder aus eigener Kraft.
Fazit: Luft zum Atmen, keine Leichtigkeit. Entscheidend ist, ob die gewonnene Zeit klug genutzt wird.
Wir wünschen Ihnen eine Woche, die mehr Energie freisetzt als sie kostet. 💪